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Versicherung

VIG lässt sich Expansion in den Osten 830 Millionen Euro kosten

VIG-Chefin Elisabeth Stadler sieht Potenzial in Osteuropa.
VIG-Chefin Elisabeth Stadler sieht Potenzial in Osteuropa.(c) Valerie Voithofer
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Die Vienna Insurance Group kauft das Osteuropageschäft des niederländischen Konkurrenten Aegon.

Wien. Auch die Versicherungsbranche leidet unter der Coronapandemie: Reihum führten die Lockdowns generell zu einem Rückgang des Neugeschäfts, gleichzeitig wurden versicherte Schadensfälle schlagend. Trotzdem: Die heimischen Versicherungen sehen offenbar nach wie vor große Chancen in Osteuropa. Erst vor wenigen Monaten hat die Uniqa um eine Milliarde Euro das AXA-Geschäft in Polen, Tschechien und der Slowakei erworben. Am Sonntag überraschte die Vienna Insurance Group (VIG) mit einem ähnlichen Coup: Um 830 Mio. Euro kauft sie das Zentral- und Osteuropageschäft des niederländischen Versicherers Aegon.

Nummer eins in Ungarn

Erworben wird das Aegon-Versicherungsgeschäft in Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei. Die VIG übernimmt damit in diesen Ländern die Versicherungsgesellschaften in den Bereichen Nicht-Leben und Leben sowie Pensionskassen, weiters die Asset-Management- und Servicegesellschaften der Aegon. In einer Aussendung der VIG wurde darauf hingewiesen, dass mit dem Erwerb die „führende Marktposition in Zentral- und Osteuropa ausgebaut“ werde. In Ungarn steige die VIG zur Nummer eins im Versicherungsmarkt auf.

Das Prämienvolumen der Versicherungsgesellschaften in diesen vier Ländern belief sich 2019 auf umgerechnet rund 600 Mio. Euro, bei einem Nettoergebnis von 50 Mio.

Die Akquisition kommt insofern überraschend, als die VIG erst vor wenigen Tagen die Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres veröffentlichte – und deutlich weniger Gewinn (bei gestiegenen Prämieneinnahmen) vermelden musste. Grund waren ein rückläufiges Finanzergebnis und zum Halbjahr vorgenommene Firmenwertabschreibungen für Bulgarien, Kroatien und Georgien. In dem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass die CEE-Region in der ersten Coronawelle im Durchschnitt besser davongekommen sei als Österreich bzw. Westeuropa. Dies habe sich mit der zweiten Welle geändert.

Erster Lockdown halbwegs verdaut

Dabei war die Situation im Konzern nach dem ersten Lockdown noch recht erfreulich gewesen. Anfang Oktober berichtete VIG-Chefin Elisabeth Stadler in einem „Presse“-Interview, dass man in manchen Ländern Osteuropas bereits wieder auf dem Vorkrisen-Niveau sei. Bemerkenswert, zumal das Neugeschäft nach dem Lockdown „einen starken Rückgang“ verzeichnet habe.

Osteuropa habe freilich den Vorteil, „krisenerprobt“ zu sein, sagte Stadler. Außerdem biete VIG in der Region vor allem absolut notwendige Produkte wie Kfz- und Haushaltsversicherungen an.

Grundsätzlich weisen osteuropäische Länder eine geringere Versicherungsdichte auf als westeuropäische und gelten als ertragreicher. Die Vienna Insurance Group sieht darin großes Potenzial. Im Gegensatz zu Aegon. (kor.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2020)