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Formel 1

Der Feuerunfall von Bahrain

Motorsports: FIA Formula One World Championship, WM, Weltmeisterschaft 2020, Grand Prix of Bahrain, A fire is pictured
imago images/HochZwei
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Haas-Pilot Romain Grosjean saß 26 Sekunden lang im brennenden Rennauto, er hatte Glück – und überlebte, weil alle Sicherheitsmaßnahmen griffen. Das Rennen wurde durchgezogen, Lewis Hamilton gewann.

Shakir/Wien. Die Formel 1 hielt beim Grand Prix von Bahrain den Atem an – und hatte großes Glück, dass bei diesem Unfall nichts Schlimmeres passiert oder ein Fahrer ums Leben gekommen ist. Schon kurz nach dem Start des drittletzten Saisonrennens krachte Haas-Pilot Romain Grosjean in die Leitplanken. Das Rennauto wurde bei dem Einschlag mit hoher Geschwindigkeit, es sollen 200 km/h gewesen sein, in zwei Teile gerissen – und ging in Flammen auf.

AUTO-PRIX-F1-BAHRAIN
APA/AFP/POOL/TOLGA BOZOGLU

Solche Bilder ist die Rennserie, die seit Jahrzehnten (und dem Tod von Ayrton Senna 1994 in Imola) oder zuletzt durch den tragischen Unfall von Jules Bianchi (2014) durchwegs auf die Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen wie Halo (seit 2017, Überrollbügel bzw. „Heiligenschein“), ganzheitlichem Monocoque (aus Kohlefaser und Aluminium), Absperrungen und Auslaufzonen setzt, nicht mehr gewöhnt. Als Österreicher war man sofort an Niki Laudas Feuerunfall vom Nürburgring (1976) oder Gerhard Berger (Imola, 1989) erinnert.

Grosjean stieg selbst aus

2020 konnte Grosjean aber selbst aussteigen. Weil Profis diese Situation üben, Handgriffe blind sitzen müssen und Ruhe das höchste Gebot der Stunde ist. Darauf hat auch immer wieder der Präsident der Fahrergewerkschaft, Alexander Wurz, hingewiesen. Weltverband FIA und F1-Macher haben diese Abläufe instrumentalisiert, denn die Gefahr ist immer teil des Motorsports. Egal, wie ausgereift Technik und Maßnahmen in der Gegenwart geworden sind.

Der Franzose, 34, saß dennoch 26 Sekunden lang im lichterloh brennenden F1-Auto. Er zog sich, ersten Auskünften zufolge, leichte Verbrennungen zu. Und wurde zur Abklärung mit dem Hubschrauber sofort ins nächste Krankenhaus gebracht. In der Nacht schickte er auf Instagram bereits Grüße. Mit dick bandagierten Händen, doch es ging ihm gut.

Bahrain Grand Prix
Pool via REUTERS

Monocoque und Überrollbügel

Eigentlich war es jedoch alles, nur kein Wunder. Das Monocoque (ein Verbund aus Kohlefaser- und Aluminium-Waben) steckte in diesem Fall in den Leitplanken. In einen Rennwagen darf diese aus 1500 Karbonteilen bestehende „Lebenszelle“ nur eingebaut sein, wenn es zuvor bei Tests einen Frontalcrash bei einer Geschwindigkeit von 15 Meter/pro Sekunde, einen Seitencrash bei zehn Meter/pro Sekunden sowie der statische Belastungstest des Überrollbügels bestanden hat.

Das Halo-System rettete in Bahrain nicht nur Grosjean das Leben, sondern nach dem Re-Start des Rennens auch Lance Stroll, dessen BWT-Wagen auf dem „Dach“ auf der Strecke liegen geblieben war. Die Belastungen sind da enorm, der Titan-Bügel muss laut Vorgaben einem Druck von zwölf Tonnen standhalten. Stroll konnte mithilfe eines Streckenpostens aus dem Auto kriechen und blieb unverletzt.
Nach Justin Wilsons tödlichem Unfall (Indy-Car, 2015) war es der Unfall von Bianchi, warum der Weltverband FIA im Juli 2017 beschloss, das Halo-System ab der Saison 2018 in der F1-WM verpflichtend einzuführen. Freilich war der Aufschrei von Puristen anfangs enorm, der „Boomerang“ störe das Antlitz des Wagens, sei hässlich. Manch einer fürchtete gar um Speed oder Aussicht für die Fahrer. Doch dieser „Heiligenschein“ kann Leben retten.

Crash of GROSJEAN Romain (fra), Haas F1 Team VF-20 Ferrari, fire during the Formula 1 Gulf Air Bahrain Grand Prix 2020,
imago images/PanoramiC

14 Tests für ein F1-Auto

Die in Paris ansässige FIA legt, weil es die „Königsklasse“ ist und die Rennszene aus ihrer tragischen Vergangenheit auch auf Drängen der Automobilindustrie gelernt hat, sogar gesondert Wert auf mehrere Tests. Ein kompletter F1-Rennwagen muss sich fünf dynamische und gleich, sicherheitshalber, 14 statischen Tests unterziehen. Erst dann wird er für einen Grand Prix zugelassen.

Im Haas-Team saß der Schrecken jedenfalls sehr tief. Das von Günther Steiner gelenkte US-Team bestätigte später, als das Rennen (Neustart nach einer Stunde, Sieger: Lewis Hamilton vor Max Verstappen und Alex Albon) neu gestartet war, dass sich Grosjean „einige kleinere Verbrennungen an Händen und Knöcheln“ zugezogen habe. Steiner schilderte dabei auch die Szenen, die sich in der Box zugetragen hatten: „Es herrschte Stille. Einer fragte, wo Romain sei – wir sahen nur die Feuerwolke, den Rauch. Es war gespenstisch.“ Erst als man sah, wie er zum Medial Car stolperte, konnte man durchatmen. Haas, ein Südtiroler, war tief getroffen. „Das war, bei allen Vorkehrungen, auch Glück im Unglück. Das muss man sagen.“

Die Unfallursache war jedoch unklar. Eine Kollision mit Daniil Kwjat (Alpha-Tauri) war der Auslöser, danach war Grosjean vom Asphalt gerutscht und trotz Vollbremsung mit Highspeed geradeaus in die Leitplanken gerast.

Dass in der vorletzten Runde noch ein Streckenposten mit dem Feuerlöscher in der Hand über die Strecke lief, war ein haarsträubender Schlusspunkt dieses Renntages.