Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kommentar

Betriebe brauchen Planbarkeit

Thomas Salzer ist Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich.(C) Andi Bruckner
  • Drucken

Auf längere Sicht ist eine umfassende Strategie notwendig, wie wir mit der Pandemie leben können.

Die Coronakrise stellt den Industriestandort Niederösterreich seit Monaten vor noch nie da gewesene Herausforderungen. Die Lieferketten funktionieren nach den Grenzschließungen im Frühjahr zwar wieder, aber Geschäftsreisen sind nach wie vor schwer möglich und in vielen Branchen gibt es enorme Nachfragerückgänge.

Die Industriebetriebe können zwar während des Lockdowns ihre Produktion am Laufen halten – das ist auch wichtig für die Versorgungssicherheit im Land. Die schlechte Erreichbarkeit der Fernmärkte ist hingegen ein großes Problem. Die meisten Unternehmen sind gerade deswegen so erfolgreich, weil sie für den Weltmarkt produzieren. Darüber hinaus lassen sich teure Maschinen und Anlagen nicht via Videokonferenzen verkaufen. Auch Wartungs- und Montagearbeiten können meist nur vor Ort erfolgen. Kurzum: Die Industrieunternehmen brauchen den Weltmarkt.

Wie groß der wirtschaftliche Schaden durch diese Krise tatsächlich sein wird, lässt sich daher nur schwer sagen – hängt es doch davon ab, wie lang diese weltweite Pandemie noch anhalten wird.

Es gibt auch positive Aspekte, die wir den vergangenen Monaten abgewinnen können. Die Coronakrise hat immerhin gezeigt, wie wichtig die Industrie ist, um die Versorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern abzusichern und Niederösterreich am Laufen zu halten. Im Vergleich zur Gastronomie und den persönlichen Dienstleistungen haben sich die Arbeitsplätze in der Industrie als krisensicher erwiesen.

Auf längere Sicht brauchen wir jedoch eine umfassende Strategie, wie wir mit der Pandemie leben können. Die Unternehmen haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt, die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und ihre Prozesse digitalisiert, um persönliche Kontakte möglichst zu reduzieren. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich auch in den vergleichsweise geringen Neuinfektionen, die auf den Arbeitsplatz zurückzuführen sind.

Trotzdem ist der betriebliche Alltag schwierig, wenn sich die Verdachtsfälle innerhalb der Belegschaft häufen. Für eine bessere Planbarkeit müssen wir – sofern wissenschaftlich vertretbar – daher eine Verkürzung der Quarantänezeit für symptomfreie Kontaktpersonen diskutieren dürfen.

Die Unternehmen sind anpassungsfähig. Sie haben seit März viel unternommen, um die Beschäftigten zu schützen und den Betrieb am Laufen zu halten. Politik und Verwaltung haben über den Sommer jedoch zu viel Zeit verstreichen lassen. Die konkreten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kamen zu spät und noch immer fehlt es an einer umfassenden und evidenzbasierten Teststrategie. Und so werden sich die Industriebetriebe auch in den kommenden Monaten weiter durch die Krise kämpfen – und dabei viel für die Zeit danach lernen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2020)