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Déjà-vu

Kirchen zwischen Aufbegehren und Ergebung

Peter Kufner
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Zum ersten Mal müssen die Christen in Österreich die Erfahrung machen, dass ihre Kirchen nicht mehr unantastbar sind. Über den Verlust von Selbstverständlichkeiten. Und Grau als Farbe der Freiheit.

In dem Roman „The Power and the Glory“ von Graham Greene kommt der von der Polizei verfolgte Alkoholiker-Priester in der Dämmerung verstohlen in ein mexikanisches Dorf, das seit Jahren keinen Geistlichen mehr gesehen hat. Man gibt ihm etwas zu essen, er aber möchte einen Schnaps haben. Stattdessen machen ihm die Leute einen starken Kaffee und nötigen ihn in den Beichtstuhl, wo er viele Stunden lang die Beichte hört. Noch in der Nacht feiert er die heilige Messe, wird dann im Morgengrauen auf seinen Esel gesetzt und weggeschickt, seinem tragischen Schicksal entgegen. Er stirbt vor einem Peloton im Exerzierhof einer Militärkaserne.

Diese Szene spielt in der Zeit der brutalen Kirchenverfolgung in den späten 1920ern in Mexiko. Demgegenüber nehmen sich die Gefühle der Versagung in manchen kirchlichen Kreisen über die drastischen Beschränkungen von Gottesdiensten wegen des Lockdowns als sündhafte Luxussorgen aus. Die Verärgerung richtet sich gegen die angeblich zu gefügige Kirchenleitung, die den Wünschen des Staats zu leicht nachgegeben habe. Ein „Theater“ nennt das der Sprecher der Erzdiözese Wien und beklagt die Wehleidigkeit mancher Katholiken, während sich doch das wahre „Drama in den Intensivstationen“ abspiele und in den Familien der Coronatoten.