FPÖ: Blaue Gönner, rote Zahlen

FPoe Blaue Goenner rote
(c) AP (Lilli Strauss)

Die Herren kamen aus Industrie, Banken und New Economy – und gehörten zum eng verwobenen Wirtschaftsnetzwerk der FPÖ von Jörg Haider. Mittlerweile verbindet sie vor allem eines: die rasante wirtschaftliche Talfahrt.

Sie nannten ihn schlicht die „blaue Eminenz“. Und den Beinamen hatte sich Ernst Hofmann auch redlich verdient: Der steirische Industrielle hatte etwas Geheimnisvolles an sich. Mit öffentlichen Wortspenden oder medienwirksamen Auftritten am Society-Parkett hielt er sich stets zurück, er trat einfach nie in Erscheinung. Das hatte er nicht nötig. Als (Schilling-)Milliardär besaß er nämlich so etwas wie eine natürliche Autorität und hatte also ordentlich Einfluss. Vor allem in der FPÖ: Ernst Hofmann war ein persönlicher Freund von Jörg Haider und galt obendrein als großzügiger Förderer der Freiheitlichen.

Die waren auch immer voll der Bewunderung für den „tüchtigen und fleißigen“ Unternehmer. Immerhin hatte Hofmann ein beachtliches Firmenkonglomerat rund um den börsenotierten Handelskonzern Pankl & Hofmann aufgebaut – Fleischverarbeitungsbetriebe in Österreich und in Ungarn gehörten ebenso dazu wie Kunststoffwerke in der Steiermark sowie im Burgenland. In Zeiten der Hochblüte soll Hofmanns Unternehmensgruppe gut und gern 500 Millionen Euro Umsatz gemacht haben.

Doch das war einmal. Heute ist Ernst Hofmann vom „schillernden Unternehmer“ zum Problemfall geworden – für die Banken. Schon vor Jahren brach sein Firmenimperium nach Problemen mit Akquisitionen im Ausland wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Seine Anteile an der HTP High Tech Plastics AG: verkauft. Seine Hofmann Marinaden Feinkost Ges.m.b.H.: detto. Seine Hofmann Kunststoffverpackung Ges.m.b.H.: veräußert. Und so weiter.

Trotzdem schrillten 2006 bei Hofmanns Gläubigerbanken die Alarmglocken: Alle Firmen waren der Reihe nach verkauft worden, doch der (Ex-)Industrielle kiefelte immer noch an einem recht ansehnlichen Schuldenberg in Höhe von 60 Millionen Euro. Eine, wie es schien, hoffnungslose Situation.

Doch Hofmann erfreute sich natürlich nach wie vor bester politischer Beziehungen. Und so kam es, dass es in klandestinen Verhandlungen mit den Gläubigern zu einer für Hofmann generösen Abmachung kam – schließlich sei er „kein Defraudant, sondern ein Unternehmer, der Pech gehabt hat“, wie ein Bankenvertreter großmütig formulierte. Hofmann sollte also zehn Prozent seiner Schulden mittels Ratenzahlungen abstottern. Eine Million Euro jährlich, um genau zu sein.

So weit, so gut. Seitdem treffen sich Vertreter der Gläubiger – Bank Austria, Raiffeisen, Bank für Kärnten und Steiermark, Oberbank, Capital Bank, Steiermärkische Sparkasse, die Grazer Wechselseitige und die Hypo Alpe Adria – halbjährlich, um die Lage zu sondieren. Doch das letzte Treffen dieser Art geriet zum Krisengipfel: Hofmann hat die zuletzt fällige Rate nicht bezahlt, wie der „Presse“ aus Kreisen der Gläubiger bestätigt wurde. Das hat verständlicherweise keinen schlanken Fuß gemacht: Schließlich soll Hofmann, wie den Gläubigern zu Ohren gekommen ist, seinen 60. Geburtstag Mitte Mai recht pompös gefeiert haben.

Bei einem Gutteil der Gläubiger ist der Geduldsfaden jetzt endgültig gerissen. In Hofmanns Privatstiftung soll finanziell ebenfalls Ebbe herrschen – einige Banken haben es nun auf seine zwei Villen in Kammern und in Rohrmoos abgesehen. Andere wollen dem Schrecken überhaupt ein Ende bereiten – und die Angelegenheit mittels Privatkonkurses beschließen.

Und Ernst Hofmann? Der gibt sich bedeckt wie eh und je. Gegenüber der „Presse“ war er jedenfalls zu keiner Stellungnahme bereit.

Dabei gäbe es so viel zu sagen. Es ist nämlich schon interessant: Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die einst zum Wirtschaftsnetzwerk von Jörg Haiders FPÖ gehörten und teilweise auch geschäftlich miteinander verbandelt waren, teilen Hofmanns Schicksal. Sie waren nicht unbedingt mit wirtschaftlicher Fortüne gesegnet. Und harte juristische Konsequenzen sind ihnen auch meist erspart geblieben. Zufall?

Zum Beispiel Werner Böhm, Gründer der Internetfirma Yline. Das Unternehmen galt seinerzeit als Cashcow der FPÖ. Zahlreiche Freiheitliche sollen durch Beteiligungen verdient haben, doch auch Böhm profitierte: Die Yline-Tochter FirstInex war jene New-Economy-Gesellschaft, die vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser den Auftrag für die Neugestaltung der Homepage des Finanzministeriums bekam.

Wie eng die Bande zwischen Yline und den Freiheitlichen tatsächlich waren, stellte sich aber erst im Jahre 2001 heraus, als Yline in die Pleite schlitterte. Der Kreditschutzverband von 1870 stellte jedenfalls fest, dass die FPÖ Hauptschuldner des Unternehmens war.

In der Causa Yline ermittelt die Staatsanwaltschaft seitdem wegen schweren Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung. Ohne Ergebnis.

Ernst Hofmann saß übrigens im Yline-Aufsichtsrat. Ebenso im Aufsichtsrat der Grazer Wechselseitigen Versicherung, der die kleine Wolfsberger RBB Bank gehörte. Dort wiederum war ein Vorstand am Werk, der ebenfalls zum Wirtschaftsnetzwerk Haiders gehörte – und mit dem es das Schicksal ebenso wenig gut meinte, um es milde zu formulieren. Hans-Dieter Prentner, einst Vorstand von Hofmanns Privatstiftung, war eng mit Haider befreundet, angeblich sogar dessen Finanzberater – jedenfalls begleitete er Haider im Jahre 2000 im Rahmen einer Wirtschaftsdelegation nach Libyen.

Kurze Zeit später musste Prentner als Vorstand der RBB Bank gehen: In der Bank waren Fehlspekulationen ruchbar geworden, der Schaden wurde mit 410 Millionen Schilling angegeben. Praktischerweise wurden aber die Ermittlungen gegen Prentner dank „tätiger Reue“ eingestellt, er hatte sich zu finanzieller Wiedergutmachung bereit erklärt. Offenbar hat das aber auch nicht so recht geklappt, angeblich ist Prentner in Großbritannien in Privatkonkurs gegangen.

Gute Connections zum FPÖ-Wirtschaftsnetzwerk hatte seinerzeit auch Ex-„Börsenbulle“ Michael Lielacher. Was vor allem Probleme brachte: Yline-Chef Böhm war Investor bei Lielachers chronisch defizitärem Online-Finanzdienstleiter Bluebull. Dann beteiligte sich Lielacher am Radiobetreiber Globalaudionet, bei dem Haider-Vertrauter Gerald Mikscha Aufsichtsratschef und Ex-Grasser-Sprecher Mario Fagitsch Chef waren. Das Unternehmen ging 2004 pleite. Bluebull folgte im Jahre 2006.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2010)