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Hypo Alpe Adria verdreifacht Verlust

Hypo Alpe Adria verdreifacht
(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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Der Verlust im ersten Halbjahr 2010 beträgt 499 Millionen Euro. Die Kärntner Bank musste die Risikovorsorgen für Kredite drastisch erhöhen. Bald werden Schadenersatzklagen gegen frühere Führungskräfte eingebracht.

Wien (höll).Die verstaatlichte Hypo Alpe Adria hat im ersten Halbjahr 2010 den Verlust auf 499 Millionen Euro vergrößert – nach einem Minus von 162 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit ist die Hypo das Schlusslicht unter den heimischen Großbanken. Alle anderen Institute – selbst die früheren Sorgenkinder Bawag und das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG – schafften heuer den Turnaround.

Als Grund für das dicke Minus nannte Hypo-Chef Gottwald Kranebitter die hohen Risikovorsorgen für die vielen faulen Kredite. Das Volumen der Problemkredite, im Fachjargon „Non Performing Loans“ (NLP), kletterte seit Ende 2009 von 6,9 Mrd. Euro auf 8,3 Mrd. Euro. Damit sind bereits ein Fünftel aller Darlehen von 40 Mrd. Euro ausfallsgefährdet. Dies ist in der österreichischen Finanzbranche ein Negativrekord. Normalerweise liegt der Anteil der Problemkredite am gesamten Kreditvolumen bei fünf Prozent.

 

Keine rasche Trendwende

Neben den acht Mrd. Euro stehen bei der Hypo noch weitere Kredite im Volumen von vier Mrd. Euro auf der „Beobachtungsliste“, weil es Anzeichen für eine Verschlechterung der Schuldner gibt.

Eine rasche Trendwende sieht Kranebitter nicht. Die Hypo ist vor allem in Südosteuropa tätig. Dort dürfte sich die Wirtschaft erst 2011 erholen. „Die Risikovorsorgen werden auch im zweiten Halbjahr das Bilanz- und Ertragsbild der Gruppe prägen“, so der Bankchef. Daher werde die Hypo das Gesamtjahr ebenfalls mit einem „deutlichen Verlust“ abschließen. Einen konkreten Betrag nannte Kranebitter aber nicht.

Trotzdem glaubt er an die Zukunft der Hypo. 2011 soll beim Ergebnis die „Nulllinie“ – das Ende der Verlustzone – erreicht werden. Nachhaltige Gewinne sind ab 2012 geplant. In drei bis fünf Jahren soll das Institut so herausgeputzt sein, dass für den Staat ein Verkauf möglich sein soll. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es keinen „Double Dip“ – einen neuerlichen Konjunktureinbruch – geben wird.

Zunächst muss Kranebitter aber die EU von seinem Konzept überzeugen. Die Brüsseler Behörden haben zwar Anfang August die Verstaatlichung der Bank rückwirkend genehmigt. Über den von Kranebitter eingereichten Geschäftsplan wird aber noch intensiv verhandelt. Denn die EU meldete zuletzt Zweifel an, ob die Hypo überlebensfähig sei. Ihrer Ansicht nach soll der Staat auch eine geordnete Abwicklung prüfen (Aufteilung in einen lebensfähigen Teil und eine „Bad Bank“). Ein solches Szenario kommt für Kranebitter aber nicht infrage.

 

Verkauf großer Immobilien

Bis Jahresende will sich die Bank von Immobilien trennen. Für die Wiener Zentrale am Stephansplatz wird gerade mit einem Dutzend Interessenten verhandelt. Für das Schlosshotel Velden am Wörthersee konnten sich bis zum gestrigen Freitag potenzielle Käufer melden. Die Luxusherberge wird für die Hypo zum Millionengrab. Bislang wurden 100 Mio. Euro in die Renovierung und den Ausbau des Hotels investiert. Dem Vernehmen nach will aber kein Bieter mehr als 60 Mio. Euro zahlen.

Noch im September wird die Hypo erste Schadenersatzklagen gegen frühere Führungskräfte einbringen. Um wen es dabei geht, verriet Kranebitter nicht. Auch ob der in Untersuchungshaft sitzende Exchef Wolfgang Kulterer belangt wird, ließ er offen. Zu Einzelpersonen gebe er grundsätzlich keine Auskunft. Den ehemaligen Verantwortlichen werden Betrug, Untreue und Pflichtverletzungen vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Schadenersatzansprüche belaufen sich auf einen „gut dreistelligen Millionenbetrag“. In der Bank gibt es 15 Mitarbeiter, die alle großen Geschäftsfälle der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe nehmen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit soll noch bis Mitte 2011 dauern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2010)