Der lange Weg von der Idee zur Innovation. Wesentlich dazu seien „Leadership“ und eine „Kultur, in der man Risiko nehmen kann.
ALPBACH. Ein großer Österreicher hat diesen Gedanken als Erster formuliert: Eine Idee werde erst dann zur Innovation, wenn sie erfolgreich auf dem Markt verkauft wird, hat Joseph Schumpeter vor nunmehr fast 100 Jahren geschrieben. Und: Es bedürfe dazu „schöpferischer Unternehmer“ – oder wie Schumpeter es formulierte: „Entrepreneurs“. Dieses Paradigma gilt heute mehr denn je. „Wo schöpferische Unternehmer fehlen, dort gibt es einen Stillstand der wirtschaftlichen Entwicklung“, sagt Reinhard Petschacher, Technikvorstand von Infineon Österreich. Er leitete bei den Alpbacher Technologiegesprächen den Arbeitskreis „Von der Idee zur Innovation“.
Dieser Weg kann sehr lang sein. Petschacher illustrierte das mit einem Beispiel aus seinem Konzern: Im Jahr 1995 habe man die Idee für einen neuartigen Leistungsschalter gehabt, der sechsmal mehr Strom verträgt als die bisherige Technologie. Im Jahr 2001 bekam Infineon einen Innovationspreis dafür, aber erst in den letzten Jahren wuchsen die Umsätze stark. Dazwischen lagen lange Jahre der stetigen Verbesserung – die Produktionskosten sind dadurch auf ein Viertel gefallen. „Nun zieht die Konkurrenz nach, wir brauchen eine neue radikale Innovation“, so Petschacher.
Seine Folgerung: „Ein schöpferischer Unternehmer kann sich nicht mit einer Innovation begnügen. Wenn er am Markt erfolgreich bleiben will, ist eine kontinuierliche Suche nach Neuem notwendig.“ Wesentlich dazu seien „Leadership“ und eine „Kultur, in der man Risiko nehmen kann. Man braucht Mut zum Risiko.“ Und: „Bei Innovationen geht es um Leute – der Rest ist Technologie.“
Die Lage im eigenen Land empfindet Petschacher als suboptimal: „Mit dem schöpferischen Unternehmertum tut sich Österreich schwer.“ Bei Neuentwicklungen für den Weltmarkt sei Österreich im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern im Hintertreffen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2010)