Geldhäuser in Asien veranstalten Seminare für Sprösslinge wohlhabender Eltern. Die Banken versuchen, möglichst früh eine gute Beziehung zu den Vermögenden der Zukunft aufzubauen.
Wien (Bloomberg). Die Jungen von heute sind die Kunden von morgen. Das wissen die Banken in Asien wohl am besten. Sie bieten immer mehr Seminare, Kurse und Trainee-Programme an – und zwar für die Kinder sehr wohlhabender Privatkunden. Die Banken versuchen, möglichst früh eine gute Beziehung zu den Vermögenden der Zukunft aufzubauen.
Die Schweizer Großbank UBS veranstaltet etwa zweiwöchige Kurse in Singapur und Hongkong. Den jungen Zuhörern werden Themen wie Vermögensverwaltung oder Leadership geboten. „Unsere Programme für die nächste Generation der ultrareichen Kunden dienen dazu, praktische Hinweise zum Umgang mit dem Vermögen zu geben, das sie möglicherweise eines Tages erben werden“, sagte Daniel Harel, der UBS-Chef für Private Banking in Südasien für Kunden mit einem Vermögen von mindestens 50 Mio. Schweizer Franken.
Die Citigroup will der UBS um nichts nachstehen. Sie organisiert ebenfalls Seminare in Singapur und Hongkong. Auf dem Programm stehen die Themen finanzielle Planung und Investments.
Sogar einen Schritt weiter geht der britische Finanzkonzern Standard Chartered. In einem Praktikum sollen die jungen Teilnehmer potenzielle Übernahmekandidaten ausfindig machen. Aus einer Liste mit mehreren hundert Firmen picken sie zehn heraus, die von anderen Unternehmen übernommen werden könnten.
Kinder wurden vernachlässigt
An Teilnehmern für Seminare mangelt es den Banken nicht. Im Gegenteil, sie berichten über Rekordteilnehmerzahlen im laufenden Jahr. Dass bei den Jungen sehr viel Potenzial liegt, zeigt Standard Chartered. Rund die Hälfte der Programmteilnehmer stammt aus Familien, für die Standard Chartered mindestens zehn Mio. Dollar verwaltet, sagte Ally Lim, die Sprecherin der Bank zu Bloomberg.
Für Justin Ong, Berater von PricewaterhouseCoopers LLP, sind die Bemühungen der Banken sinnvoll. Es sei an der Zeit, Beziehungen zur nächsten Generation der Reichen aufzubauen. Lange Zeit sei der Nachwuchs der Reichen von den Privatbanken letztlich auf deren eigene Gefahr ignoriert worden, sagte Ong.
Viel Potenzial in Asien
Laut einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers aus dem vergangenen Jahr wissen fast 40 Prozent aller Privatbanken in Asien nicht, wie viel Geld an die nächste Generation vererbt wird.
Gerade in Asien dürfte das Vermögen in den nächsten vier Jahren doppelt so schnell zulegen wie im weltweiten Durchschnitt. Das geht aus einer Studie der Beraterfirma Boston Consulting Group hervor, die im Juni veröffentlicht wurde. Allein das Private Banking von Standard Chartered konnte im ersten Halbjahr 2010 das verwaltete Vermögen in Asien um 27 Prozent steigern. Das entspricht dem Doppelten des internationalen Durchschnitts.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2010)