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Wissenschaft

Wie mag es wohl früher gerochen haben?

Von keinem Winde verweht: Die Forscher im „Odeuropa“-Projekt der EU sammeln und rekonstruieren Gerüche ab der frühen Neuzeit mithilfe künstlicher Intelligenz – und machen dabei überraschende Entdeckungen.

Winter in Amsterdam, in einem bürgerlichen Wohnzimmer des Goldenen Zeitalters: Wie mag es da wohl gerochen haben? Klamme Kälte kroch durch dünne Mauern, Schimmel machte sich breit, alles war feucht und modrig. Aber im Kamin knisterte ein Feuer, und in die Flammen warfen die Bewohner duftende Gewürze und Harze, die süßen Wohlgeruch verbreiteten. Er stand im herben Widerstreit mit dem, was durch die undichten Fenster hereinströmte: der Gestank der Pferdeäpfel und die Ausdünstungen der Kanäle, die als Kloake dienten. Im heißen, stickigen Sommer hüllte ihr Mief die Stadt ein, wer es sich leisten konnte, floh aufs Land. Im Frühling aber blühten am Rande der Grachten Tausende Linden, ihr Aroma überdeckte alles, und die Nasen wähnten sich im Paradies.