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Die große Umschichtung an der Börse beginnt

Anbaufläche statt Urwald. Der Amazonas ist stark von Rodungen betroffen.
Anbaufläche statt Urwald. Der Amazonas ist stark von Rodungen betroffen.(c) REUTERS (Ueslei Marcelino)
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Nachhaltige Veranlagungen sind gekommen, um zu bleiben. Vor allem in Europa ist man schon relativ weit – im Vergleich zum amerikanischen Kontinent. Ein Blick auf die Zukunft.

Wien. Die Coronakrise hat die Klimakrise thematisch etwas an den Rand gedrängt. Nicht aber das Problem an sich. Das zeigt ein erst in dieser Woche präsentierter Bericht: 2020 dürfte vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation zufolge eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen sein. In Europa erreichte die Durchschnittstemperatur im Zeitraum Jänner bis Oktober ein neues Rekordhoch. Gleichzeitig gehen die Abholzungen im brasilianischen Amazonasgebiet – der grünen Lunge der Welt – munter weiter. Heuer wird dort so viel Urwald verschwinden wie zuletzt vor zwölf Jahren.

Nicht nur die Politik ist in Zeiten wie diesen gefragt, die richtigen Maßnahmen zu setzen. Auch die Finanzindustrie spielt im Kampf gegen den Klimawandel inzwischen eine entscheidende Rolle. Man holte die Branche im Rahmen des Pariser Klimaabkommens 2015 mit an Bord. Die Investoren wurden damals dazu angehalten, ihre Mittel umzuleiten – am besten dorthin, wo es guttut. Gleichzeitig sollen sie sich aus fossilen Brennstoffen zurückziehen, um der Erderwärmung Einhalt zu gebieten.

So etwas geschieht natürlich nicht von heute auf morgen, doch immer mehr Finanzmarktteilnehmer haben das Thema auf ihrer Agenda – und setzen Nachhaltigkeit immer stärker in ihren Veranlagungsprozessen um.

 

Man will „das Richtige tun“

Die Coronakrise könnte diesen Trend nun beschleunigen, wie eine Umfrage des weltgrößten Vermögensverwalters, Blackrock, unter 425 Investoren in 27 Ländern zeigt. Demnach planen die Befragten, ihr verwaltetes Vermögen in nachhaltigen Veranlagungen in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Von derzeit im Schnitt rund 18 Prozent auf 37 Prozent im Jahr 2025. Bei den Umfrageteilnehmern, die immerhin 25 Billionen Dollar verwalten, handelt es sich unter anderem um betriebliche wie öffentliche Pensionskassen, Vermögensverwalter, Versicherungen oder Privatbanken.

54 Prozent der Befragten gaben an, dass nachhaltiges Investieren inzwischen von grundlegender Bedeutung für ihre Anlageprozesse geworden ist. Vor allem jene in der Region EMEA, also Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Anders sieht die Sache in Nord- und Südamerika aus, wo Nachhaltigkeit von rund 40 Prozent als sehr wichtig erachtet wird, während ihr weitere 40 Prozent keine Bedeutung beimessen.

Dass grüne Veranlagungen nur ein kurzfristiger Trend sind, glaubt global betrachtet inzwischen aber kaum jemand mehr – am ehesten noch die Amerikaner. In Europa ist es für die meisten (86 Prozent) zu einem zentralen Bestandteil ihrer Strategie geworden, in den USA handelt nur etwa knapp die Hälfte aus Überzeugung. 42 Prozent glauben, es werde eine Nische, wenn auch eine gewichtige, bedient.

Die Hauptmotivation für Investoren, Gelder umzuschichten, besteht darin, „das Richtige zu tun“. Eine bessere risikobereinigte Performance und das Mindern von Anlagerisken landen auf den Plätzen zwei und drei. Die Nachfrage der Kunden spielt für 30 Prozent eine Rolle, Reputationsrisken für ein Viertel. Vor allem europäische Anleger „sehen die Vorteile von Nachhaltigkeit aus einem gesellschaftlichen Blickwinkel“, sagt Mark McCombe von Blackrock. In den USA wiederum „stehen Risikomanagement und die Wertentwicklung stärker im Vordergrund“.

Ein Problem für Investoren ist nach wie vor die „schlechte Qualität oder Verfügbarkeit“ von entsprechenden Daten. Für 53 Prozent stellen sie das „größte Hindernis“ bei nachhaltigen Veranlagungen dar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2020)