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Bid for the Louvre

Versteigerung: Auf ein Rendezvous mit Mona Lisa

(c) APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN (STEPHANE DE SAKUTIN)
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Der Louvre versteigert erstmals für einen guten Zweck Kunst und ungewöhnliche Aktivitäten. Der Erlös fließt in Solidaritäts-und Bildungsprojekte.

Normalerweise ist sie hinter Glas und nur mit Abstand zu betrachten: Leonardo da Vincis Meisterwerk Mona Lisa im Pariser Louvre. Doch jetzt bietet das Museum die Möglichkeit auf ein ganz persönliches Rendezvous mit der Mona Lisa, denn einmal pro Jahr wird das Gemälde zwecks Inspektion aus der Vitrine geholt. Normalerweise sind Besucher nicht zugelassen, doch diesmal wird eine Ausnahme gemacht. Wer sich dafür interessiert kann diese Stippvisite ersteigern. 10.000 bis 30.000 Euro soll sie einem Mona Lisa-Fan wert sein. Es ist das erste Mal, dass sich der Louvre an einer Versteigerung beteiligt und es ist für einen guten Zweck. Die Erlöse der von Künstlern und den Luxushäusern Dior und Cartier zur Verfügung gestellten Lose kommen den Solidaritäts- und
Bildungsprojekten des Louvre zugute.

Diese Onlineauktion mit dem Namen „Bid for the Louvre“ läuft bis 15. Dezember und wird von den Auktionshäusern Drouot und Christie's organisiert. Der Besuch der Mona Lisa ist nur eines von vielen Angeboten. Es können auch eine Reihe von Kunstwerken ersteigert werden, die Künstler dem Louvre überlassen haben. Denn es ist dem Louvre verboten, Werke aus dem eigenen Bestand zu verkaufen. Das teuerste Werk im Angebot stammt vom französischen Maler Pierre Soulages von 1962, das auf 800.000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzt wird. Spannend ist sicherlich auch ein Spaziergang über die Dächer des Louvre mit dem französischen Streetart-Künstler und Fotografen JR. Da ist man mit 6000 bis 12.000 Euro dabei.

Diese Form des Fundraisings ist ein Novum in der französischen Museumslandschaft. „Der Louvre ist eines der ersten französischen Museen, das seinen Sponsoring-Service nach dem Vorbild angelsächsischer Museen weiter entwickelt hat. Wir haben eine junge, dynamische Mäzenatsabteilung, die ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Innovationen ist, um die eigenen Ressourcen des Museums zu entwickeln“, sagt der Museumsdirektor Jean-Luc Martinez zur Presse. Der Louvre sei die Heimat von Künstlern und bis heute ein Ort der Inspiration für zeitgenössische Schöpfer. „Die Tatsache, dass große zeitgenössische Künstler, von Designern wie Virgil Abloh bis hin zu Häusern wie Dior, Louis Vuitton und Cartier, so großzügig auf unsere Anfrage geantwortet haben, zeigt, dass der Louvre ein großartiger Ort der Inspiration bleibt“, so der Direktor.

Umbau bis 2024 geplant

Soziale Projekte sind Martinez ein wichtiges Anliegen, deshalb haben pädagogische Projekte trotz der aktuellen Coronasituation weiterhin Priorität. Ein wesentlicher Teil der Auktionserlöse fließt in das künftige Atelier des Louvre-Museums. Das Atelier werde im Herbst 2021 im Herzen des Museums eröffnet und soll Familien, Schulgruppen, Behinderte und Menschen in prekären Situationen mit musealen und künstlerischen Praktiken vertraut machen und neue Formen des Austauschs ermöglichen. „ Das Studio ist der zweite Teil eines zweistufigen Projekts, das sich auf Kunst und kulturelle Bildung konzentriert und mit der Eröffnung der Petite Galerie im Oktober 2015 gestartet wurde. Es wird alle Werkstätten und Schulungssitzungen des Museums beherbergen und neue Outreach-Aktivitäten anbieten.

Die Petite Galerie und das Studio, die direkt von der Pyramide aus zugänglich sind, stellen kunstbezogene Aktivitäten in den Mittelpunkt des Louvre und seiner Sammlungen“, sagt Martinez, der schon im Sommer einen Umbau des Museums bis zu den Olympischen Sommerspielen 2024 angekündigt hat. Der Louvre solle im Zuge dessen eine „kulturelle Demokratisierung“ erfahren. Medienberichten zufolge ist das der Wunsch der Regierung, die der Louvre um finanzielle Unterstützung in der Krise gebeten hat. Wie diese „kulturelle Demokratisierung“ konkret aussehen soll und ob etwa der Bau des Ateliers bereits Teil dieser Demokratisierung ist, wollte Martinez auf Anfrage der Presse nicht beantworten. Tatsache ist, der Louvre braucht Geld, denn wie alle Museen wurde er hart von Corona getroffen. Das Haus musste für mehrere Wochen schließen, was sich auch auf die Einnahmen aus dem Kartenverkauf ausgewirkt hat. „Wir sollten das Jahr mit einem Verlust von 90 Millionen Euro abschließen. Der Staat hat dem Museum im Rahmen des Sanierungsplans 46 Millionen Euro zur Verfügung gestellt“, sagt Martinez.