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Thilo Sarrazin und die Gene

Was will uns der deutsche Bundesbankvorstand mit seinen mittlerweile immer bizarreren Thesen eigentlich sagen?

Begonnen hatte es mit wenig geschmackvollen Bemerkungen über kleine türkische „Kopftuchmädchen“. Damals gab Thilo Sarrazin noch vor, sich um den Bildungsstand (muslimischer) Einwanderer und die damit verbundenen Folgen für das deutsche Gemeinwesen zu sorgen.

Doch mittlerweile gleiten die Thesen des Bundesbankvorstands immer mehr ins Absurde ab: Von einem „bestimmten Gen“, das allen Juden gemeinsam sei, fantasierte er nun in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“.

Er zerbricht sich nun nicht mehr nur über schlechte Schulnoten von Migranten den Kopf, sondern auch über die Auswirkungen der Zuwanderung auf den „Genpool der europäischen Bevölkerung“ – was immer dieser spezifisch europäische „Genpool“ auch sein mag. Immerhin müssten sich darin ja Gene aus Schweden genauso befinden wie aus Griechenland und den Balkanstaaten, die lange ein Teil des Osmanischen Reichs waren oder aus Südspanien, wo einst die Mauren herrschten.

Es fragt sich, was Sarrazin uns mit seinen bizarren Thesen über angebliche „genetische Identitäten“ eigentlich mitteilen will. Will er damit auch insinuieren, dass unterschiedliche Gene zu unterschiedlichen Verhaltensweisen in der Gesellschaft führen?

Oder will er uns mit seinen Thesen und der damit programmierten Provokation vor allem eines sagen: „Bitte, bitte kauft doch alle mein neues Buch!“


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2010)