Autorin mit Gerechtigkeitssinn: Eva Menasse verteidigt die Kabarettistin gegen den Autor Maxim Biller.
Es ist traurig, aber auch verständlich, wenn österreichische Autoren ihr Leben dauerhaft an einen anderen Ort verlegen. Bei manchen ist es besonders bedauerlich, wie im Fall von Daniel Kehlmann, der in Wien aufgewachsen ist. Oder von Eva Menasse.
Lesen kann man Menasse glücklicherweise dort wie da, und das ist das Wichtigste. Wenn sie sich öffentlich in einer Sache positioniert, hat man den Eindruck, sie tut es, weil es ihr wirklich wichtig ist. Dann aber sprachlich brillant, mit rarem Differenzierungsvermögen, wohltuender Vernunft und einem, scheint es, ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ähnliches meinte vielleicht die Jury des Ludwig-Börne-Preises, als sie Menasse 2019 auszeichnete und dabei ihre „Unbestechlichkeit“ hervorhob.
Sarkasmus ist im besten Sinn nicht ihr Stil, doch sie beherrscht ihn meisterhaft, wenn sie ihn für nötig befindet. Wie nun in einer in der „Zeit“ erschienenen Erwiderung auf einen Text des deutschen Autors Maxim Biller: Dieser hatte über die Einladung der Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart ins „Literarische Quartett“ geschrieben, Marcel Reich-Ranicki habe „endgültig den Kampf gegen die Nazis verloren“. Eckharts Auftritte sieht er als antisemitisch, als Hommage an die Nazis.