Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Börsegang

Anleger rissen sich um Airbnb-Aktien

(c) APA/AFP/KENA BETANCUR
  • Drucken
  • Kommentieren

Der Zimmervermittler verdoppelte seinen Kurs am ersten Tag. Der Börsenwert kletterte über 100 Mrd. Dollar.

New York/ Wien. Ein Ende der Coronakrise ist in Greifweite. Dieser Überzeugung scheinen die Märkte zu sein, wie sich rund um den Börsengang der Zimmer-Vermittlungsplattform Airbnb zeigte, die am Donnerstag an der Technologiebörse Nasdaq stattfand.
Der Ausgabepreis lag bei 68 Dollar. Der Börsengang brachte dem Unternehmen 3,5 Mrd. Dollar ein. Am ersten Handelstag hat sich der Aktienkurs des amerikanischen Unternehmens mehr als verdoppelt. Die Aktie ging in den Handel mit einem ersten Kurs von 146 Dollar (120,6 Euro). Damit überschritt der Börsenwert von Airbnb die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Dabei handelt es sich um jenen Wert, der sich ergibt, wenn man den Preis einer verkauften Aktie mit allen Aktien (auch denen, die sich noch in den Händen von Alteigentümern befinden) multipliziert. Es war der heuer größte Börsengang in den USA. Erst am Mittwoch hatte der US-Essenslieferdienst DoorDash diesen Titel mit einem Börsengang geholt. DoorDash hatte 3,4 Mrd. Dollar eingenommen und war dabei mit 38 Mrd. Dollar bewertet worden.

Harte Zeiten für Tourismus

DoorDash hatte aber gute Voraussetzungen: Wie Delivery Hero und Takeaway sowie die US-Rivalen Uber Eats und Grubhub profitiert Doordash von der steigenden Nachfrage nach Essenslieferungen in der Corona-Pandemie. In den ersten neun Monaten hat sich der Umsatz des Börsenneulings auf 1,92 Mrd. Dollar verdreifacht.
Für Airbnb hatte es vor ein paar Monaten noch gar nicht so gut ausgesehen. Nach dem Ausbruch der Coronapandemie, die einen drastischen Rückgang der Buchungszahlen und unzählige Stornierungen zur Folge hatte, war die Bewertung der Vermittlungsplattform bei der letzen Finanzierungsrunde im April auf 18 Mrd. Dollar gefallen.
Zuletzt zeigte sich jedoch zunehmend, dass die Nachfrage nach Airbnb-Aktien größer war als erwartet: Vor wenigen Tagen war auf Unternehmensseite noch von einer Preisspanne von 44 bis 50 US-Dollar je Aktie die Rede. Schon diese Preisspanne hatte die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Dann hob Airbnb offiziell die Preisspanne auf 56 bis 60 Dollar an, wie aus bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen vom Montag hervorgeht. Schließlich konnte das Unternehmen seine Anteilsscheine zu noch höheren Preisen losschlagen.
Ganz hinter sich lassen konnte Airbnb die Krise aber noch nicht. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco leidet unter Reisebeschränkungen und strengen Hygienevorgaben, kommt aber besser durch die Krise als zunächst erwartet, da Menschen – wenn sie derzeit reisen – gerne auf Privatunterkünfte zurückgreifen, um weniger Kontakte zu haben. 2017 war Airbnb noch mit 31 Mrd. Dollar bewertet worden.

Insidern zufolge schaut der Konzern seit Ausbruch der Pandemie genau auf die Kosten, hat einen Einstellungsstopp verhängt und das Marketing heruntergefahren. Ziel ist es demnach, dieses Jahr 800 Mio. Dollar einzusparen. Für Analysten überraschend erzielte Airbnb im dritten Quartal einen Gewinn von fast 220 Mio. Dollar und damit nur etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. In den neun Monaten bis Ende September fielen jedoch Verluste von knapp 697 Mio. Dollar an.
Airbnb war 2008 von Brian Chesky und Joe Gebbia als Portal gegründet worden, um Zimmer während Konferenzen zu vermitteln. Zu den Investoren gehören Sequoia Capital und Andreessen Horowitz, aber auch der Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher, General Atlantic und TPG.

Flut an Börsegängen

Nach einer Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg werden die gesamten US-Börsengänge im Dezember die bisherige Rekordmarke von 8,3 Mrd. Dollar aus den Jahren 2001 und 2003 übertreffen. Bereits jetzt haben Unternehmen den Bloomberg-Daten zufolge bei Börsengängen in den USA im laufenden Jahr schon 156 Mrd. Dollar eingesammelt – so viel wie nie zuvor. (ag./b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2020)