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„Qualität schreibt sich überall gleich“

Markus Arnold
Markus ArnoldArnold Immobilien
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Porträt. In sieben Ländern ist Immobilieninvestment-Spezialist Markus Arnold – dabei würde er gern noch schneller wachsen. Jammern will er nicht, denn „Immobilien gelten als Krisenwährung“.

Über kaum eine andere Branche hat man heuer im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie so wenig gehört wie über die Immobilienbranche. Kein Wunder daher, wenn Immobilieninvestment-Spezialist Markus Arnold sagt: „Corona hat das Geschäft nicht sonderlich verändert.“ Die kurze Schockstarre, verursacht durch den ersten Lockdown, habe sich rasch gelegt. Die größte Veränderung sei, „dass Besichtigungen schwieriger und Projektplanungs- und -durchlaufzeiten länger geworden sind“, sagt der 44-Jährige, der 2009 sein Unternehmen Arnold Immobilien, spezialisiert auf Zinshäuser und Investorenobjekte, gegründet hatte. Besichtigungen mit virtuellen Hilfsmitteln gebe es zwar schon lange Zeit, „aber man muss den Raum sehen und spüren“, sagt Arnold. „Immobilien zu kaufen wurde und wird immer gut überlegt.“

Aktuell würden mehr Investoren aus Angst vor den Auswirkungen der Coronakrise in Immobilien gehen. „Die Käufe gehen ungebrochen weiter. Immobilien gelten als Krisenwährung.“ Dass es deswegen zu einer Immobilienblase kommen könnte? „Ich sehe keine Blase in Österreich. Die Banken sind restriktiv. Für andere Märkte mag das gelten, für den heimischen jedenfalls nicht.“ Seine Kunden würden die Immobilien langfristig behalten wollen.

Zur Person

Markus Arnold (44) absolvierte eine Ausbildung für Immobilien-Management. Nach Stationen bei renommierten Immobilien-Unternehmen übernahm er die Leitung der Investment-Abteilung von Resag, wo er mehr als 100 Immobilien-Deals abwickelte. 2009 gründete er sein eigenes Unternehmen, Arnold Immobilien, das auf die Vermittlung von Immobilieninvestments in Europa – vor allem in Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn – spezialisiert ist.

Und diese Kunden werden zusehends internationaler. Auch weil Österreich als sicher gilt. Der Terroranschlag in der Wiener Innenstadt Anfang November wirke sich nicht auf die Preise aus. Aber möglicherweise psychologisch, sagt Arnold. „In gewisser Weise ist die Heile-Welt-Blase geplatzt.“

Mittlerweile ist Arnold in Deutschland, Spanien, Italien, Tschechien, der Slowakei und in Ungarn tätig. Zufrieden ist Markus Arnold damit aber noch nicht. Gut zehn Jahre sei das Unternehmen jetzt tätig, geplant war, jedes Jahr in einen neuen Markt einzusteigen. Oder anders gesagt, man brauche ein Jahr pro Markteintritt. Auch wenn Portugal und die Schweiz in Kürze folgen sollen, „Corona hat uns die Suppe versalzen“. Auch weil das Reisen schwieriger geworden sei – und schließlich wolle man alle potenziellen Mitarbeiter zum Hearing in Wien haben. „Wien ist das Hauptquartier.“ Es brauche einen Ort, an dem alles gebündelt ist. Und weil die Mitarbeiter in den Dependancen alle in irgendeiner Weise mit Wien zu tun haben, ist es ihm wichtig, dass sie auch die Mitarbeiter in der Zentrale kennenlernen.

Mehr Makler als in New York

Am schwierigsten sei es gewesen, die erste Niederlassung, jene in Prag, zu eröffnen. „Danach ist alles eingeordnet.“ Oder anders gesagt – dann steht die Struktur für alle Erweiterungen. Immer aber mit lokalen Besonderheiten. „In Prag gibt es mehr Immobilienmakler als in New York“, sagt Arnold. Dafür gab es aber in Tschechien und der Slowakei keine Investmentmakler – ein Geschäftsmodell, das er sozusagen exportierte. Aber letztlich komme es überall auf die Beratung und diskrete Begleitung der Kunden an. Und dafür gelte: „Qualität schreibt sich überall gleich.“
Menschen für die Immobilienbranche zu begeistern „ist nicht schwer“, sagt Arnold, dessen Begeisterung für Immobilien schon aus seiner Kindheit herrührt. Sein Großvater war Baumeister und bis ins hohe Alter als Sachverständiger tätig. „Ich bin oft mit ihm mit dem Maßband ausgerückt.“ Der Grundstein für seine Leidenschaft. Dabei, Mitarbeiter ins eigene Unternehmen zu lotsen, helfen der Name und der Ruf, den man sich in den vergangenen Jahren erarbeitet habe, ist er überzeugt.
Etwa, weil es kaum Fluktuation gibt. Oder dass er das Geschäft trotz individueller Erfolgshonorare als Teamsport sieht: „Alle wollen Weltmeister werden, aber alle fahren für dasselbe Team.“ Deshalb sei respektvoller Umgang miteinander entscheidend. „Jeder ist gleich wichtig, auch der, der gerade keinen Umsatz macht.“ Deswegen habe er das Provisionssystem entsprechend adaptiert, damit es den Teamgedanken fördert.

Generalisten lernen „on the Job“

Arnold erlebt es als angenehm, dass es gute Ausbildungen für Tätigkeiten in der Immobilienbranche gebe. „Man unterrichtet generalistisch – das ist auch, was wir brauchen. Die Detailfragen lernt man am besten on the Job.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2020)