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Office Park 4
Infrastruktur

Im Windschatten der Warenströme

Große Verkehrsdrehscheiben bieten sich als ideale Standorte für Büroobjekte, Gewerbeparks oder Lagerflächen an. Das gilt nicht nur für den neuen Berliner Flughafen, sondern auch für den Airport Wien.

Was lang währt, wird endlich gut: Nach fast einem Jahrzehnt Verzögerung ging der neue Flughafen Berlin heuer in Betrieb. Die große Eröffnungsfeier musste ausbleiben, doch wenn die neue Normalität eingekehrt ist, werden dafür auf dem Arbeitsmarkt die Sektkorken knallen: 85.000 neue Jobs wird der neue Infrastruktur-Hub bringen. Der Immobiliensektor freut sich bereits jetzt – die Grundstückspreise haben sich binnen zwei Jahren um zwei Drittel verteuert, auch das Mietniveau passt sich sukzessive den Innenstadtlagen an.

BER lockt Investoren

Davon profitieren die in Berlin tätigen österreichischen Immobilienentwickler ebenfalls. So hat Eyemaxx Real Estate beim Projekt Sonnenhöfe in Schönefeld bei Berlin rechtzeitig zur Eröffnung des Flughafens die ersten Gebäude an die Käufer übergeben – der bisher größte Deal in der Geschichte des Unternehmens. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen liegen wir zeitlich voll im Plan“, sagt Eyemaxx-CEO Michael Müller. Auch der Käufer wird seine Entscheidung wohl nicht bereuen. Denn obwohl die Luftfahrtindustrie von der Krise besonders hart getroffen ist – nach der Pandemie wird sie wieder die Turbinen anwerfen. So soll der Berliner Flughafen bis 2040 mehr als 55 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen und zum führenden Drehkreuz der europäischen Luftverkehrsbranche aufsteigen.

Projekte am Airport Wien

Ähnlich rasant soll die Erholung in Wien ausfallen: Der Flughafen Wien galt bis zuletzt mit mehr als 30 Millionen Passagieren jährlich als „Tor nach Osten“ für die Lufthansa – verharrt aufgrund von Flugverboten und Grenzschließungen aber derzeit im Dornröschenschlaf. Doch der Schein trügt: Nach der Pandemie wird der Flugverkehr binnen weniger Jahre das Niveau von 2019 wieder überragen, deswegen wird Wien langfristig selbst um die viel diskutierte dritte Piste nicht herumkommen, wie Vorstandsdirektor Günter Ofner meint.

Als Gewerbestandort ist der Airport zudem selbst in der Krise gefragt. So hat der Logistikimmobilienentwickler DLH im Herbst den Bau eines drei Hektar großen neuen Gewerbeparks in Angriff genommen und errichtet drei Logistikimmobilien speziell für Luftfracht. „Das schafft Arbeitsplätze, stärkt die Kaufkraft und die gesamte Entwicklung der Region, und das ist gerade in der Krise von besonderer Bedeutung“, sagt Ofner.

Mit dem hochmodernen Office Park 4 wurde am Flughafen heuer auch ein neues Bürohaus eröffnet – und es erfreut sich reger Nachfrage, wie der Vorstandsdirektor weiß. Denn vor allem internationale Logistikbetriebe zieht die Nähe zu Autobahn, Flughafen und den regionalen Nahversorgungsgebieten sowie die gute Erreichbarkeit der benachbarten osteuropäischen Märkte und Produktionsstätten wie ein Magnet an. „Erste Mieter sind bereits eingezogen und genießen das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, viele weitere stehen auf der Interessentenliste“, betont Ofner.

Günstige Mieten

Denn mit Mietniveaus um oder sogar unter zehn Euro pro Quadratmeter und Monat kosten Büros am Flughafen meistens halb so viel wie im Stadtzentrum – und weniger als eine Durchschnittswohnung am Wiener Stadtrand.

So ist vor allem der bereits vor einem Jahrzehnt fertiggestellte Concorde Business Park (CBP) bei kostenbewussten Mietern, die Flächen zwischen der City und dem Airport suchen, sehr beliebt. „Die Nähe zum Flughafen Wien war einer der ausschlaggebenden Gründe für die Einmietung der Lauda Motion“, heißt es bei der CBP-Eigentümerin Amisola Immobilien. FP Francotyp, Marktführer bei Frankiermaschinen und Teil des international tätigen FP-Konzerns, kann ebenfalls seit Kurzem als neuer Mieter begrüßt werden.

Und schließlich nutzt auch der Bau-Zulieferer Würth Österreich den günstigen Standort, an dem er mit dem Würth-Shop eine Filiale mit zahlreichen Serviceangeboten betreibt. Die barrierefreie Erreichbarkeit und das Angebot von modernsten Seminarräumlichkeiten machten den CBP zudem zum passenden Standort für Cura Domo. Das Familienunternehmen aus dem Pflegebereich bezog bereits Anfang des Jahres dort seine neuen Büros. Für die Erschließung des Marktes in Österreich und der Schweiz hat sich der Reifenhersteller Hankook ebenfalls den CBP als Standort für die neue Niederlassung ausgesucht. Weitere Mieter werden folgen: Jetzt ist der Mietvertrag günstiger denn je zu haben – und wer sich langfristig bindet, kann die niedrigen Mieten selbst dann noch genießen, wenn vor dem Bürofenster bereits die Bagger für den Bau der dritten Piste anrollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2020)