Fernsehen: Wer geht Richtung Südpol?

Fernsehen geht Richtung Suedpol
Fernsehen geht Richtung Suedpol(c) ORF (Thomas Jantzen)
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ORF-Casting, es gab Schlafentzug und Schwimmen im eisigen Wasser. Das von Doku-Event wird anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Wettstreits zwischen dem Roald Amundsen und dem Robert Falcon Scott ausgetragen.

Ekel-Fernsehen war einmal. Jetzt geht es um wahres Heldentum. Oder so ähnlich. Zumindest im ORF, der sich ja der Spinnenkäfige und Madenmenüs dankenswerterweise mit Hinweis auf seine Qualitätskriterien enthalten hat. Aber Leuten dabei zuzusehen, wie sie etwas machen, das man selbst nie und nimmer tun wollte – das ist ein starker Anreiz für Zuschauer, sich eine TV-Show anzusehen. Das weiß auch der ORF – und schickt gemeinsam mit dem ZDF zwei Teams in den „Wettlauf zum Südpol“. Die Gewinner sind dann zwar nicht die „Helden von morgen“ – die werden ja bekanntlich bei einer eher harmlosen Castingshow ermittelt, in der es um die Meisterschaft in Soul, Rock oder Rap geht –, aber sie müssen im Gegensatz zu ihren Kandidatenkollegen aus dem musischen Fach deutlich mehr aushalten. Beide Castings laufen derzeit.

Am Wochenende suchten Ex-Skirennläufer Hermann Maier und Ö3-„Mikromann“ Tom Walek in einem ersten Trainingscamp aus 60 (von ursprünglich 2627) Bewerbern geeignete Kandidaten für das polare Wettrennen. Nur zwei werden mit dem Österreicher-Team aufbrechen, um eine Mannschaft aus Deutschland herauszufordern, die von Extremsportler Joey Kelly und TV-Moderator Markus Lanz angeführt wird.

Das von ORF und ZDF koproduzierte Doku-Event wird anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Wettstreits zwischen dem Norweger Roald Amundsen und dem Briten Robert Falcon Scott ausgetragen – sie lieferten einander 1911 ein Wettrennen, wer als Erster den geografischen Südpol erreicht.

Wind, Schlamm, Kälte für Teamfähige

Nicht ganz so kalt wie dort, aber ungemütlich: die Bedingungen am Truppenübungsplatz Allentsteig. Bei Wind, Regen, Matsch und nach nur drei Stunden Schlaf mussten die Kandidaten im Nachttraining durch nur acht Grad kaltes Wasser schwimmen, ein Auto durch den Schlamm ziehen, am selbst entfachten Feuer kochen. Kondition, Belastbarkeit, Stressresistenz, Teamfähigkeit sind gefragt – gilt es doch, binnen vier Wochen eine 30 Kilometer lange Strecke auf dem Eis zurückzulegen, mit einem 50-Kilo-Schlitten im Schlepptau. „Für dieses Abenteuer braucht man starke Nerven und darf sich weder vor Kälte, Eis und Schnee noch vor enormen Strapazen scheuen“, meint Walek. „Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten, keine Privatsphäre, Kälte, die nie aufhört.“ Genau deshalb hofft der ORF ja auch, dass das Publikum zuschaut, wenn es heißt: Wird die Frostbeule heute noch platzen? Bleiben Sie dran!

„Wettlauf zum Südpol – Wer geht mit?“: 8.September, 20.15Uhr, ORF1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2010)

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