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Iran

Jetzt auch noch Corona: Albtraum für Österreicher in Evin-Gefängnis

Irans Präsident Hassan Rohani.
APA/AFP/Iranian Presidency/-
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Zwei österreichische politische Gefangene in Teheran zeigen Covid-Symptome. Angehörige appellieren verzweifelt an die Bundesregierung, sich zumindest für Hafturlaub einzusetzen. Das Außenamt kommt der Bitte nach. Doch alle Aufrufe haben bisher nichts genützt.

Der Albtraum dauert schon fast fünf Jahre. Am 2. Jänner 2016 nahmen Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstministeriums den österreichisch-iranischen Geschäftsmann, Kamran Ghaderi, am Imam-Khomeini-Flughafen in Teheran fest.  Der Doppelstaatsbürger hatte bloß seine Mutter besuchen wollen. Acht Monate später verurteilte ihn ein Gericht in einem obskuren Verfahren nach zwei unter Folter erzwungenen „Geständnissen“ zu zehn Jahren Haft. Der Vorwurf: Spionage für Österreich und die USA. Beweise dafür gibt es keine.

Der Körper des 56-Jährigen ist geschwächt. An seinem linken Bein nagt ein Tumor, während seines Gefängnisaufenthalts musste er sich einer Operation unterziehen. Vor kurzem ereilte seine Familie die nächste Hiobsbotschaft: Seit 8. Dezember hat er hohes Fieber, nun hat er auch seinen Geschmacks- und Geruchssinn verloren. Die Ferndiagnose: Corona. Es könnte das Todesurteil für ihn sein. In einem leidenschaftlichen Appell bittet seine Frau, Harika Ghaderi, die österreichische Bundesregierung deshalb dringend, alles zu unternehmen, um zumindest einen Hafturlaub oder eine bedingte Freilassung zu erreichen und so das Leben ihres Mannes zu retten.

Hälfte der Insassen angesteckt

Offenbar geht eine Corona-Welle durch das Evin-Gefängnis. In der Abteilung ihres Mannes habe sich vermutllich schon fast die Hälfte der Häftlinge mit dem Virus angesteckt, erklärt Harika Ghaderi gegenüber der „Presse“. Sie ist verzweifelt, die Zeit drängt. Ihre Kinder – 17, 14 und sieben Jahre alt – haben den Vater so lang nicht mehr gesehen.

Kamran Ghaderi ist nicht der einzige Doppelstaatsbürger, den die Islamische Republik unter fadenscheinigen Gründen wie eine Geisel festhält. Das Regime ist bereit, Gefangene zu tauschen. Ende November kam die australisch-britische Wissenschaftlerin Kylie Moore-Gilbert nach 804 Tagen im Austausch gegen drei Iraner frei, die Thailand wegen eines Anschlagsversuchs auf einen israelischen Diplomaten, inhaftiert gewesen waren.

Covid-Tests verweigert

Zu den Zellengenossen von Kamran Ghaderi zählt unter anderen Massud Mossaheb, der 74-jährige Generalsekretär der österreichisch-iranischen Gesellschaft. Auch er habe seit Donnerstag Fieber, sagt seine Tochter Fanak Mani zur „Presse“. Der Gefängnisarzt weigere sich jedoch bisher, ihn zu testen. „Wir wissen daher nicht, ob er sich mit Covid infiziert hat.“ Fanak Mani, eine Designerin in Wien, kämpft zusammen mit ihrer Familie seit fast zwei Jahren um die Rückkehr ihres Vaters. Mossaheb, seit 40 Jahren österreichischer Staatsbürger, wurde Ende Jänner 2019 verhaftet; er hielt sich damals als Konsulent von Med Austron, dem Wiener Neustädter Zentrum für Ionentherapie, im Iran auf.  

In Einzelhaft legte er ein Geständnis ab. „Unter Folter“, wie seine Tochter Fanak Mani sagt. Das Urteil: Zehn Jahre Haft wegen angeblicher Spionage für Deutschland und den israelischen Geheimdienst Mossad. Der 74-Jährige leidet unter Herzschwäche, Atemnot – und möglicherweise jetzt auch noch unter Corona.

Außenamt richtet Appell an Teheran

Das österreichische Außenministerium kam der Bitte der Angehörigen von Ghaderi und Mossaheb nach und intervenierte bei den Behörden in Teheran. „Angesichts der akuten Sorge um den Gesundheitszustand von Herrn Kamran Ghaderi und Herrn Massoud Mossaheb hat Österreich einen dringenden Appell für die Sicherstellung ihrer medizinischen Versorgung inklusive ärztlicher Visiten, der Durchführung eines PCR-Tests sowie weiterer medizinischer Untersuchungen und Behandlungen an den Iran gerichtet“, erklärte Gabriele Juen, die Sprecherin des Außenamts, am Sonntag auf Anfrage der „Presse“. Österreich setze sich laufend bei der iranischen Regierung für die Freilassung der beiden Doppelstaatsbürger und - in einem ersten Schritt - für eine umgehende Verbesserung der Haftbedingungen ein.

„Dabei haben wir wiederholt vor dem Hintergrund des hohen Risikos einer Infektion mit dem COVID-19 Virus in der Haft auf die Dringlichkeit der Gewährung eines Hafturlaubs hingewiesen“, ergänzte Juen. Geholfen haben die Interventionen bisher freilich nicht.

In den Todestrakt geholt

Der psychische Druck im internationalen Trakt des Evin-Gefängnisses muss unerträglich sein. Ende November holten Wärter den schwedisch-iranischen Wissenschaftler, Ahmadreza Jalali (49), aus der Zelle von Ghaderi und Mossaheb. Um die Todesstrafe zu vollstrecken. Die Hinrichtung wurde zunächst verschoben.

Keine Gnade kannte das Regime für den regierungskritischen Blogger Ruhollah Zam (42), der aus dem französischen Exil 2017 und 2018 zu Protesten im Iran aufgerufen hatte. Er war im Oktober 2019 während eines Aufenthalts im Irak festgenommen und in seine Heimat verschleppt worden. Am Samstag erhängten ihn Scharfrichter in Teheran.