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Solarium-Verbot: Jugendliche bräunen sich daheim

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Symbolbild Solarium(c) Www.BilderBox.com (BilderBox.com)
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Ab 1. September dürfen Personen unter 18 Jahren nicht mehr ins Solarium - nur in den eigenen vier Wänden fehlt die Kontrolle. Jugendliche wollen sich daheim oder bei Freunden bräunen lassen.

Mit dem 1. September tritt in Österreich das Solarium-Verbot für Jugendliche unter 18 Jahren in Kraft. Während Dermatologen den Schritt begrüßen und die Sonnenstudios wirtschaftliche Einbußen befürchten, suchen die Jugendlichen nach Alternativen für künstliche Bräune: "Ich werde dann zu Freundinnen nach Hause gehen, die dort ein Solarium stehen haben", erklärte die 17-jährige Lisa Novak aus Mödling.

Etwa 800 Solarien sind betroffen, doch das Solarienverbot gilt auch für Hoteliers, Bad- und Fitnessstudio-Betreiber und Selbstbedienungsgeschäfte, die Bräunungsgeräte aufgestellt haben. Alle fünf Parteien stimmten im Parlament dem Verbot zu und stützten ihr Vorhaben auf Studien, die die Gesundheitsgefährdung von Minderjährigen, vor allem für Hautkrebs, besonders hoch einschätzten. In jedem Fall muss sichergestellt werden, dass den Jugendlichen der Zutritt zu den Geräten verwehrt wird. Bei Nichteinhaltung der Verordnung drohen Geldstrafen bis zu 2180 Euro durch die Gewerbebehörde.

Gemischte Reaktionen

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) sei "sehr froh darüber", sagte Hubert Pehamberger von der Arbeitsgruppe Melanom und dermatologische Onkologie. Auch wenn man nicht erwarten könne, dass "es nun von heute auf morgen keine Melanome und Hautkrebs mehr gibt", rechnet der Fachmann vor allem mit positiven Langzeiteffekten. "Das Verbot ist eine sehr gute Prophylaxe und dient auch der Bewusstseinsbildung".

Branchenvertreter Johann Arsenovic, selbst Herr über 50 Sonnenstudios, befürchtet, dass viele Mitarbeiter gekündigt werden müssen. Er betonte, man habe schon bisher ganz bewusst auf die unter 16-jährige Kundschaft verzichtet. Jene zwei Prozent im Alter von 16 bis 18 Jahren habe man aktiv angeschrieben und über die neue Lage informiert. Ab 1. September werde man ausnahmslos alle, die jünger als 30 Jahre aussehen, kontrollieren und deren Ausweise kopieren. Branchenkenner schätzen, dass rund ein Drittel der heimischen Sonnenstudios in ein bis zwei Jahren verschwunden sein wird.

Waltraud Kaserer, Sprecherin des Familienministeriums, das für die neue Verordnung verantwortlich ist, sieht die Vorbereitungen für die Umsetzung der Neuregelung auf gutem Weg. Eine besondere Herausforderung sind Selbstbedienungsgeräte, die vor allem in Bädern, Fitness-Centern oder Hotels zu finden sind. Eine Alterskontrolle wäre etwa mit Bankomatkarte möglich, heißt es aus dem Büro von Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Positive Effekte von Sonnenstrahlen

Die guten Seiten der natürlichen sowie künstlichen Bräunung hob Harald Slauschek, Präsident des Sonnenlichtforums Österreich und Branchensprecher, hervor. Die Haut produziere das Vitamin D und D3 unter Sonneneinstrahlung, das nicht nur für den Knochenaufbau notwendig sei, sondern auch glücklich mache. "Die Leute fühle sich nach ein paar Minuten einfach besser. Es geht weniger um die Ästhetik, als um das Wohlfühlen", erklärte Slauschek, der selbst Betreiber eines Studios ist. Durch die Verordnung würden die Jugendlichen entmündigt und die Wirtschaft geschwächt. Zwar sei der Prozentsatz der unter 18-Jährigen nur sehr klein, aber gemeinsam mit der Wirtschaftskrise beträchtlich für die Branche. Slauschek ist sich sicher, dass einige Betreiber zusperren müssen.

"Sonne tut der Seele gut, aber in freier Natur ist sie oft zu stark und es fehlt ja auch die Zeit", sagte Sylvie Kösner, ausgebildete Beraterin in einem Sun and Fun-Studio. Doch natürlich würde es auch schwarze Schafe unter den Betreiber geben. Besonders wichtig ist Kösner, dass die Kunden gut beraten werden. "Bei den Jugendlichen fehlt es oft nur an Aufklärung, wenn sie über die Gefahren Bescheid wissen, wollen sie sich auch richtig bräunen." Das richtige Bestrahlen besteht aus einer Hautanalyse vor dem ersten Solariumgang und einer Computerdatensammlung, die jeden Besuch und die gewählte Zeit und Stärke aufzeichnet. Besonders starrköpfige Kunden, die trotz eindringlicher Warnung, auf zu hohe und zu lange Bestrahlung pochen, müssen bei Kösner auch ein spezielles "UV-Überdosis-Formular" unterzeichnen. Danach erfolgt das Sonnen auf eigene Gefahr.

(APA/Red.)