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Biologie

Stäbe an den Schultern: So sexy war ein Dinosaurier

Konnte er gar tanzen? Ubirajara jubatus, von einem Künstler im Dienst der Wissenschaft gemalt.
Konnte er gar tanzen? Ubirajara jubatus, von einem Künstler im Dienst der Wissenschaft gemalt.Bob Nicholls/Paleocreations.com 2020
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Ganz seltsame Formen hatte ein kleiner Dinosaurier, der im heutigen Brasilien lebte. Er habe damit die Weibchen beeindruckt, meinen die Forscher.

Ubirajara jubatus: Schon der Name, den Forscher um Robert Smyth (University of Portsmouth) und Eberhard Frey (Naturkundemuseum Karlsruhe) dem von ihnen in der Zeitschrift „Cretaceous Research“ beschriebenen Dinosaurier gegeben haben, ist flamboyant. Er kommt von einem Namen der brasilianischen Tupi-Indianer, der „Herr des Speers“ bedeutet, und vom lateinischen Wort für Mähne (iuba).

Eine solche hatte dieser nur hühnergroße Saurier, der vor 110 Millionen Jahren im heutigen Brasilien lebte. Entdeckt wurden seine Reste in der Karlsruher Sammlung, eingequetscht zwischen zwei Steinplatten. Faszinierenderweise entdeckte Frey nicht nur Skelettstrukturen, sondern auch Reste von Haut und Haaren (respektive Federn, bei den Sauriern verschwimmt dieser Unterschied). Vor allem von der dicken Mähne, die seinen Rücken bedeckte und die er, so die Forscher, mithilfe von Muskeln aufstellen konnte – wohl um Gegner abzuschrecken oder Sexualpartner zu beeindrucken. Wobei sich die Zoologen ziemlich sicher sind, dass es Partnerinnen waren und der kleine Saurier selbst männlich war. Denn extravagante Körperformen bilden bei Tieren – man denke nur an Hirsche oder Pfauen – meist die Männchen aus. Und Ubirajara hatte nicht nur eine Mähne, sondern auch zwei ganz ungewöhnliche Teile an sich: nämlich vier dünne, ungefähr 15 Zentimeter lange Stäbe, die von seinen Schultern wegstanden. Diese Stäbe bestehen aus Keratin, sind aber weder Haare noch Federn im modernen Sinn, sagt Smyth: Sie hätten wohl dem „display“ gedient, also für Balzvorführungen, mit denen Männchen die Weibchen beeindrucken wollen, man könnte sich diese Saurier sogar tanzend vorstellen. Jedenfalls seien sie dem Motto „dress to impress“ gefolgt, wie viele heutige Vögel. Womöglich hätten diese das von ihren Saurier-Vorfahren geerbt, meint Smyth.

Dabei ist Ubirajara laut Urteil der Experten gar nicht so nah mit den Vögeln verwandt, sie zählen ihn nicht zu deren Übergruppe, den Maniraptoren, sondern zu den Compsognathiden. Von dieser Gruppe kennt man zwar schon gefiederte Arten, aber bisher nur vom nördlichen Kontinent Laurasia, nicht vom südlichen Gondwana. Auch hier ist Ubirajara der Erste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2020)