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Debatte

"Die Verantwortung kann uns keine Regierung abnehmen": Leserstimmen zur zweiten Welle

Die Coronakrise beherrscht in Österreich weiterhin die Debatten. Wir zeigen eine Auswahl an Leserbriefen über die Coronapandemie und die Regierungsmaßnahmen.

Wo sind die Schuldigen?

Unsere freiheitlich-demokratische Ordnung verlangt meist nach Schuldigen - für zahlreiche Krisen der letzten Jahrzehnte konnten diese erfolgreich und meist auch zu Recht ausgemacht werden. Doch wie verhält es sich in der aktuellen Pandemie? Wo sind die Schuldigen, die das Virus in die Welt gesetzt, es verbreitet oder zumindest dessen Ausbreitung nicht verhindert haben? Die ernüchternde Antwort ist: Es gibt sie nicht. Zumindest nicht in Form einer einzelnen Person oder klar abgrenzbaren Gruppen wie Regierungen, deren Chefs, Gesundheitsexperten oder - wie jenseiti ge Verschwörungsfantasten gern argumentieren - in Form von Magnaten wie beispielsweise Bill Gates. Wenn hier jemandem Verantwortung zukommt, dann uns allen. Österreichern, Europäern, Weltbürgern.
Regierungsverantwortliche und Experten können nur Rahmenbedingungen schaffen, Empfehlungen geben und Unterstützung anbieten. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei der Bekämpfung der aktuellen Krise nicht alles rund lief oder auch in Zukunft laufen wird. Und diese Fehler werden oft als Begründung dafür angeführt, dass die Infektions- und damit leider verbunden auch die Todeszahlen ansteigen. Doch stimmt das auch? Dürfen Fehler und Versäumnisse der Regierung als Begründung für das Nichteinhalten von einfachsten Empfehlungen wie Abstand halten, Maske tragen und Hände waschen verantwortlich gemacht werden? Oder ist es nicht vielmehr so, dass uns als Bürger einer liberalen Demokratie das Einhalten dieser Regeln trotz staatlicher Unzulänglichkeiten zukommt? Ein vernunftbegabter Mensch wird auf einem vereisten Gehweg keinen Sprint absolvieren, nur weil der Hausmeister noch nicht gestreut hat.
Eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie kommt somit sehr wohl dem Staat zu. Doch dieser sind wir alle. Nur das Verhalten des Einzelnen führt zur Lösung dieser gesamtgesellschaftlichen Krise. Diese Verantwortung kann uns - zumindest in der oben erwähnten, von uns so geschätzten freiheitlich-demokratischen Ordnung - keine Regierung der Welt abnehmen.
Manfred Vymetal, 2460 Bruck/Leitha

Schande für Tourismusland Österreich

Die geringe Prozentzahl bei den Massentests auch in den westlichen Bundesländern, die sich ja unisono selbst als die Tourismusländer schlechthin bezeichnen, zeichnet ein jämmerliches Bild. Da wird von allen Tourismusexperten immer wieder beschworen, dass alles nur Menschenmögliche gemacht werden müsse, um die Wintersaison zu retten. Dann gehen gerade einmal ein Drittel der Bevölkerung hin, um sich testen zu lassen. Wie wird das wohl im benachbarten Ausland gesehen werden? Wenn schon die eigene Bevölkerung kein Interesse an der Eindämmung der Pandemie hat, wie wird es dann wohl für die ausländischen Touristen sein? Vorarlberger, Tiroler, Kärntner und Salzburger werden dann wieder händeringend dastehen und diverse Sicherheitsmaßnahmen propagieren, aber selbst ist man nicht bereit zu zeigen, dass man die Pandemie bekämpfen will - eigentlich eine Schande für das Tourismusland Österreich.
Dr. Ernst Lauermann, 2000 Stockerau

Haben Sie heimlich in Ischgl Urlaub gemacht?

Sehr geehrter Herr Söder! Soeben haben Sie verlauten lassen, dass "halb Europa im Frühjahr von Ischgl aus infiziert worden ist" (mit Corona; Anm.). Deshalb müsse das Skifahren zu Weihnachten verboten werden. Wir verstehen, dass auch in Norddeutschland Wähler für das Bundeskanzleramt abzuholen sind, aber stellen Sie sich vor, Sie würden den Bayern das Biertrinken verbieten, weil in Erding eine Fledermaus in den Röstkessel gefallen ist (und das Bier halb Europa angesteckt habe). Zu viel der Ehre, Herr Söder, denn in einer Sache sind sich alle Experten einig: Das Covid-19-Virus ist nicht in Ischgl entstanden, also muss es von jemandem dort hingebracht worden sein. Und wer könnte das gewesen sein? Bei hundert Touristen auf einen Einheimischen wahrscheinlich doch jemand aus Italien oder (?) Deutschland. Waren nicht in München schon im Winter 2019/20 Covid-19-Erkrankungen festgestellt worden? Oder sollten nicht sogar Sie, vielleicht ganz heimlich, im Jänner in Ischgl Urlaub gemacht haben? Dann hätten, es ist kaum zu glauben . . ., dann hätten ja Sie (via Ischgl) halb Europa mit Corona angesteckt. Was würde wohl der hl. Valentin dazu sagen?
Mag. Thomas Simon, 8344 B. Gleichenberg

"Verlorene Jugend" ist nicht nachzuholen

Der Unterricht in den Oberstufen erfolgt weiterhin im Distance-Learning, also nicht in der Schulgemeinschaft, sondern hinter dem Bildschirm. Nach rund zwei Monaten von März bis Mai 2020 sitzt diese Gruppe mittlerweile wiederum seit einigen Wochen sozial und örtlich isoliert zu Hause in den eigenen vier Wänden. Ohne Perspektive und zeitliche Eingrenzung wird sie im Regen stehen gelassen; wirtschaftlich uninteressant und ohne Lobby.
Es ist nicht der nur mäßig vermittelte Lernstoff, sondern die geistige und seelische Gesundheit unserer Jugendlichen, die mir Sorge bereitet. Lerninhalte sind nachzuholen, aber die "verlorene Jugend" nicht. Wo sind Berechnungen, Modelle oder Schätzungen, dass der Nutzen von Schließungen der Oberstufe größer ist als der Schaden, den man den Schülern damit zufügt? Ob die seelischen Einbußen in angemessenem Verhältnis dazu stehen, ist schwierig abzuschätzen. Ist nicht seelische körperlicher Gesundheit gleichzusetzen? Der Weg vom Bett zum Schreibtisch und retour ist oft der einzige, der noch möglich ist; sollte man doch als braver Oberstufenschüler und pflichtbewusster Staatsbürger jegliche unnötigen Wege tunlichst vermeiden.
Die Öffnung der Einkaufszentren zum "weihnachtlichen Shopping" ist völlig legitim und wirtschaftlich erklärbar, der Präsenzunterricht einer 25-köpfigen Klasse in der Oberstufe aber extrem gefährlich und von höchstem Ansteckungsrisiko.
Mir persönlich fehlt da mittlerweile jede Verhältnismäßigkeit! Entweder wir gehen alle gemeinsam in den Lockdown, oder alles bleibt geöffnet. Einzelne Gruppen ständig wegzusperren entbehrt jeder Logik.
Claudia Zink, 5020 Salzburg

Wir unterstützen die, die am lautesten schreien

Das kann nicht sein! Wir unterstützen die, die am lautesten schreien, u. a. "Zombie-Firmen", halten sie am Leben, bevor sie endgültig pleitegehen. Unser Gesundheitssystem bringen wir an seine Grenzen und nehmen die Arbeit des gesamten Pflegepersonals und der Ärzte für selbstverständlich. Sie arbeiten unermüdlich und beinahe selbstlos für unsere Gesellschaft. Warum nicht hier "Koste es, was es wolle"?
Unterstützen wir das Gesundheitspersonal, leisten Prämien in schwierigen Zeiten, motivieren sie, schaffen leistungsfähige Infrastrukturen für die Zukunft und danken ihnen für ihren Einsatz. Wir brauchen dieses hervorragende Gesundheitssystem auch weiterhin, nicht aber jeden Wirtschaftsbetrieb.
Mag. Christine Trampitsch, 6800 Feldkirch

Eine Auszeit verschaffen

Das Personal in Spitälern, Pflegeeinrichtungen und mobilen Diensten braucht Entlastung. Gerade jenen, die in den letzten Monaten im wahrsten Sinn des Wortes "den Kopf hinhalten" mussten (und weiter müssen) ist eine Auszeit zu verschaffen. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie zu den Feiertagen Zeit mit Familie/Freunden verbringen können. Es geht nicht nur um die eigene Gesundheit. Wir müssen auch alles tun, um das medizinische und das Pflegepersonal vor physischer und psychischer Erschöpfung zu bewahren!
Elisabeth Neulinger, DGKS i. R.; 4182 Waxenberg

Kurz darf das Kind beim Namen nennen

Kanzler Kurz darf sehr wohl "das Kind beim Namen nennen", wenn er darauf hinweist, dass etwa ein Drittel der Corona-Infektionen auf Urlaubsheimkehrer (davon ca. 70 Prozent aus Balkanstaaten) zurückzuführen ist. Für den verbliebenen Großteil sind aber Österreicher (mit oder ohne Migrationshintergrund) selbst verantwortlich, denen es an Hausverstand und Eigenverantwortung mangelte, als die strengen Maßnahmen gelockert wurden. Wie es scheint, gilt das teilweise bis heute - denn die "Verschwörungstheoretiker" sterben nicht aus.
DI Helmut Haslacher, 7202 Bad Sauerbrunn

Ehrliche Aussagen

Die Aussage des Intensivmediziners Gustorff und die Veröffentlichung in der "Presse" hat angenehm überrascht und wohlgetan. Ein an der Covid-Front tätiger Arzt beschreibt endlich einmal das an Corona erkrankte und intensiv behandelte Patientengut ehrlich und nennt es beim Namen. Bisher hat sich dazu kein Arzt geäußert, wer und vor allem warum wer in einem Intensivbett landet. Ein 60-prozentiger Anteil von Patienten mit Migrationshintergrund überrascht kaum, betrachtet man kulturelles Verhalten und Lebensweise der in unser Gastland Zugewanderten.
Dass TV-Reden unserer Politiker und TV-Mediziner mit ihrer Präsentation bei der Mehrheit der Gastösterreicher kaum bis nicht ankommen, liegt hauptsächlich am fehlenden deutschen Sprachvermögen. Mehrheitlich lehnen sie eine brauchbare sprachliche Integration ab, kommunizieren vorwiegend mit ihrer Community in ihrer Muttersprache und leben weiterhin ihr gewohntes, kulturelles und soziales Leben, mit wenig Sinn für unser Gesundheitsdenken.
Professor Gustorff sei gedankt für seine Aussagen, er erklärt gekonnt, wer warum in einem Covid-Intensivbett landet. Dadurch nimmt er übertriebene Angst vor einer Krankheit, die nicht nur medial, sondern auch von allzu gern und immer wieder im TV auftretenden Virologen geschürt wird.
Dr. Günther Berghammer, 4840 Vöcklabruck

Korrektur zur Abwehr der dritten Welle

Köksal Baltaci zeigt im Artikel „Warum Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von Corona betroffen sind“ klar einen fundamentalen Fehler in der Kommunikationspolitik der Regierung auf. Deren martialische Quartett-Auftritte im ORF erreichen - je nach Thema, Tageszeit und Alternativprogramm - ein bis zwei Millionen Seher. Und das sind vermutlich überwiegend diejenigen, die dank aktiven Hausverstandes die Belehrungen kaum nötig haben. Die restlichen sechs bis sieben Millionen setzen auf andere "Informationsquellen" - oder werden z. B. wegen Sprachbarrieren überhaupt nicht erreicht. Das ist keine überraschende Erkenntnis - aber was wurde dagegen gemacht? Wo sind die Aktionen, um in den diversen Communitys (ethnisch, sprachlich, religiös etc.) die Meinungsbildner in die Verantwortung zu nehmen und die Einhaltung der Grundregeln einzufordern? Warum werden Asylberechtigte mit entsprechendem Background, die beim AMS als arbeitssuchend gemeldet sind, nicht systematisch als "Peer-to-Peer-Gesundheitslotsen" eingesetzt? Viele Versäumnisse - vielleicht kann zur Abwehr der dritten Welle noch etwas korrigiert werden . . .
Dr. Martin Stingl, 2352 Gumpoldskirchen

Nicht ständig ins Ruder greifen

Es wäre höchst an der Zeit, dass unsere Politiker im Kampf gegen die Coronapandemie an einem Strang ziehen. Niemandem ist mit gegenseitigen Schuldzuweisungen gedient, die Animositäten und das Kompetenzgezerre zwischen Bund und Ländern binden Ressourcen und lähmen die Umsetzung effizienter Maßnahmen. Der Opposition wird man das Recht auf Kritik nicht absprechen, doch sollte sie sachlich und weniger reflexartig erfolgen. Was wir brauchen, ist ein funktionierendes Räderwerk, eine entsprechende Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden und den Verzicht auf Selbstdarstellung. Wir sitzen alle im selben Boot, die Fahrt durch die gefährlichen Corona-Fluten wird nur dann gelingen, wenn alle Kurs halten und sich nicht ständig gegenseitig ins Ruder greifen.
Mag. Gerald Gruber, 3353 Seitenstetten

Gefährliche Politikverunglimpfung

Um die Pandemie zu besiegen, kommt es entscheidend auf Vertrauen, Einsicht und Mitarbeit der Bürger an. Gerade deswegen ist die um sich greifende Politikverunglimpfung jetzt gefährlich, denn sie sensibilisiert nicht, sie führt vielmehr zur Ablehnung. Vernünftiger Zweifel und Kritik sind zwar Bürgerpflicht, jedoch darf sich Kritik nicht verselbstständigen.
Dazu kommt, dass die bisherigen neun Coronamonate nicht gerade eine Sternstunde des Parlamentarismus waren. Von ganz rechts bis links ist man sich - mit einer Ausnahme - einig, dass fast alles falsch gemacht worden ist und weiter falsch gemacht wird. Auch in den Medien wird Tag für Tag versucht, das Unvermögen und die Torheit der Regierenden zu entlarven. Damit kommt gerade in diesen Zeiten den Medien, und hier besonders dem ORF, eine grundlegende Bedeutung und Verantwortung zu.
Diese Problematik zeigen die vielen negativen Fragestellungen in den Diskussions- und "ZiB"-Sendungen, bspw. in der "ZiB 2" vom 2. Dezember, in der der Fragesteller ununterbrochen die Aussagen des Kanzlers negativ hinterfragt und damit auch infrage gestellt hat. Alle Fragen waren nur negativ besetzt: von der Quarantäne bis zur Maske, die Behandlung der Migranten, die Massentests usw.
Gerade in Zeiten, die wir jetzt erleben müssen, sind Zusammenhalt und Vertrauen zwingend notwendig, im Interesse aller. Es sollte sich die Kritik, die im vernünftigen Maß zulässig ist, nicht verselbstständigen und mit steten Zweifeln an allem, was geschieht, die Unkultur eines primär permanenten Verdachts säen und einpflanzen.
Dr. Georg Weißmann, 1180 Wien

Wo sind die Künstler, wo die Supersportler?

Wo sind die Künstler, Intellektuellen, wortgewaltigen Impresarios? Und was machen die Supersportler, wenn sie nicht gerade selbst an Corona leiden? Verrenkt Eure Scheuklappen. Beißt Euch durch die Masken und Helme. Es geht um Euch, die Ihr wieder live und vor Publikum kreativ oder sportlich tätig werden wollt. Und um uns, die wir Euch wieder zujubeln wollen - wenn Ihr in tatsächlich (über-)lebenswichtigen Dingen Haltung gezeigt habt! Nämlich: nicht Haltung für/gegen einen geliebten/ungeliebten Kanzler oder Minister, sondern Unterstützung für eine vernünftige Strategie gegen ein unser Leben und die geistigen und ökonomischen Lebensgrundlagen zerstörendes Virus (womöglich nicht das letzte):
Also Haltung für engmaschige, vielleicht sogar sanft verpflichtende Massentestungen, Überzeugungsarbeit für eine Impfung, auch wenn irgendein grauslicher Pharmariese damit Geld verdient - so wie übrigens auch Ihr für Eure Leistungen angemessen bezahlt werden wollt. Meldet Euch bitte.
DI Klaus Jung, 2340 Mödling