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Impfpflicht: Notwendige Maßnahme oder unzulässiger Zwang?

Ist eine Impfung gegen das Coronavirus eine persönliche Entscheidung? Was bringt eine Impfpflicht? Und: Warum gibt es so viele Impfskeptiker in Österreich? Diskutieren Sie mit!

Jetzt ist es fix: Am 27. Dezember startet in Österreich die Impfung gegen das Coronavirus. Doch noch haben weite Teile der Bevölkerung Vorbehalte. Viele befürchten Nebenwirkungen. Infektiologe Herwig Kollaritsch, Berater von Minister Rudolf Anschobers (Grüne), gab Köksal Bataci Antworten auf wichtige Fragen. Kollaritsch sagt: „Ein Impfstoff ohne Nebenwirkungen hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine Hauptwirkung.“ Auch erklärt er, dass der Impfstoff keinen hundertprozentigen Schutz gegen das Coronavirus biete. Alternativen gebe es aber keine. Der Infektiologe spricht sich gegen eine Impfpflicht aus und setzt auf gute Informationskampagnen. Auch der Gesundheitsminister sieht derzeit keine Notwendigkeit einer Impfpflicht.

Christiane Druml, Leiterin der Bioethikkommission, empfiehlt indes im Gespräch mit Ulrike Weiser eine Impfpflicht für gewissen Berufe, etwa Ärzte oder Frisöre.

Wie könnte man sonst die Beteiligung an der Corona-Impfung steigern? Überall in Europa bringen Ökonomen Anreiz-Systeme ins Spiel. Auch Rudolf Winter-Ebmer hat mit einem Gastkommentar in der „Presse“ eine Debatte ausgelöst: Er spricht sich für eine Subvention von 100 Euro pro Impfung aus.

Dann doch lieber die Impfpflicht? Rein rechtlich wäre es möglich, die Bürger in Österreich zu einer Impfung zu verpflichten. In anderen Staaten ist das nichts Ungewöhnliche, so gibt es beispielsweise in Italien eine Masern-Impfpflicht. In Österreich wurde letztere nach einer Debatte im Vorjahr abgelehnt, was für Kritik sorgte. Medizinischer Druck wird aber auch hierzulande immer wieder angewandt, etwa bei Tuberkulose. Der Gedanke dahinter: Das Recht auf die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Gesundheit der Allgemeinheit gefährdet wird.

Wer sind nun die Leute, die eine Impfung ablehnen? Immerhin kündigten zuletzt 29 Prozent der Österreicher an, sich „sicher nicht“ impfen zu lassen. Kollege Köksal Baltaci betont in einem Leitartikel dazu, dass der harte Kern der Impfgegner in Österreich weniger als fünf Prozent der Bevölkerung ausmache. Allerdings gebe es bei eine gewisse Impfskepsis, die durch das schnelle Zulassungsverfahren noch befeuert worden sei. Baltaci schreibt: „Die größte Verantwortung tragen die Zehntausenden Ärzte.“ Diese können nämlich ihre Patienten direkt aufklären „und so der allgemeinen Verunsicherung am effizientesten entgegenwirken."

Aber wie stehen die Ärzte eigentlich zur Impfung? Querschreiberin Gudula Walterskirchen meint in ihrer wöchentlichen Kolumne: „Fragt man niedergelassene Ärzte, ob sie nach jetzigem Wissensstand die Impfung empfehlen und sich selbst impfen lassen würden, reagieren sie skeptisch bis abwartend.“ Walterskirchen fordert einen „ehrlichen und kritischen Diskurs statt Impfpropaganda“. Kolumnist Christian Ortner übt ebenfalls Kritik, auch wenn er einer Impfung viel abgewinnen kann. Aber; “Nichts spricht dafür, deswegen aus Medien Propagandamaschinen zu machen."

Die FPÖ sieht indes die Impfung als „höchstpersönliche“ Angelegenheit und hat daher die Petition „Nein zum Impfzwang" ins Leben gerufen. Parteichef Norbert Hofer betont, dass es in Österreich ein „Recht auf körperliche Unversehrtheit“ gebe.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Könnten Sie sich eine Impfpflicht in Österreich vorstellen? Fühlen Sie sich gut informiert? Ist eine Impfung gegen das Coronavirus eine „höchstpersönliche“ Entscheidung? Und: Werden Sie sich impfen lassen, sobald es möglich ist?