Mein Samstag

Keine Weihnachtsbäckerei

Das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“, ist so eine Art „Last Christmas“ für Eltern kleiner Kinder.
Das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“, ist so eine Art „Last Christmas“ für Eltern kleiner Kinder.Clemens Fabry - Die Presse
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Neulich hat irgendjemand irgendwo auf Facebook (genauer kann ich es nicht mehr sagen, es ist so schnelllebig, dieses ganze Social-Media-Dings) gefragt, was uns in der Weihnachtszeit in diesem sonderbaren schwierigen Jahr am meisten abgeht.

Und da ist mir eingefallen: das Tanzen bei der Weihnachtsfeier mit den Kolleginnen und Kollegen. Es tanzt sich nämlich nirgendwo und mit niemandem so gut, finde ich.

Als Zweites würde ich vielleicht sagen – und das hätte ich niemals für möglich gehalten: „In der Weihnachtsbäckerei“. Das Lied kennen Sie eh, oder? Es ist so eine Art „Last Christmas“ für Eltern kleiner Kinder, man kommt ihm nicht aus, weil es Kleinkinder immer und immer wieder hören wollen. Und auch wenn sie das Lied ausnahmsweise gerade nicht hören, singen oder singen und hören, bleibt die Weihnachtsbäckerei trotzdem verlässlich im Kopf picken, weil Ohrwurm de luxe.

Jetzt aber ist das Kind zehn Jahre alt, und als wir heuer die Weihnachtslieder-CD mit besagter Nummer eingelegt haben, war ihm das zu kindisch, diese Weihnachtsbäckerei/Leckerei-Reimerei. Weshalb das Kind die picksüße Kinder-Weihnachtsmusik ausgetauscht hat – gegen eine der jazzigen Erwachsenen-Weihnachts-CDs, die ihm im Vorjahr noch unerträglich langweilig vorgekommen sind. Auch so merkt man also, dass die Kinder groß werden (und nur deshalb fehlt mir die Weihnachtsbäckerei ein bisschen): Sie steigen freiwillig auf das Erwachsenen-Programm um und hören lieber Jazz als Kindergebimmel.

Was mir als Silvester-Skeptikerin wiederum weniger fehlt: Dass einem heuer die Frage „Und was machst du zu Silvester?“ mangels Party-Optionen erspart bleibt. Die wirklich guten Feiern waren meiner Erfahrung nach nämlich stets die, die nicht am 31. Dezember stattgefunden haben. Wobei natürlich heuer, da viele am Silvesterabend tatsächlich (fast) allein sein werden, der Klassiker „Dinner for One“ womöglich viel weniger amüsant daherkommt als sonst. Aber wissen Sie was? Das schaffen wir auch noch! In diesem Sinne: Die allerschönsten Weihnachten!

E-Mails an:mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2020)

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