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Wort der Woche

Wort der Woche: Klimaschutz, ein dynamisches Thema

Vielen geht das Tempo beim Klimaschutz zu langsam. Man sollte aber nicht übersehen, wie dynamisch sich dieses Thema mittlerweile entwickelt, meinen Experten.

Unter den vielen bitteren Erkenntnissen, die das Jahr 2020 brachte, ist auch die Tatsache, dass nicht einmal die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg die Erderwärmung zu stoppen vermag. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms UNEP steuert die Welt auf eine Erwärmung um drei Grad zu – doppelt so viel, als vor fünf Jahren im Pariser Weltklimavertrag vereinbart wurde.

Das stimmt alles andere als optimistisch. Allerdings sollte man die Flinte nicht vorzeitig ins Korn werfen. Denn wie das auf Klimafragen spezialisierte Beratungsunternehmen Systemiq kürzlich in der Studie „The Paris Effect“ darlegte, hat das Pariser Abkommen trotz aller Probleme eine starke Dynamik entfacht (www.systemiq.earth). Auch in der Politik: Staaten, Regionen und Städte, die zusammen für mehr als die Hälfte des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind, haben seither beschlossen, ihre Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf null herunterzufahren. Ähnliches gilt für die Industrie: Mehr als 1500 Großunternehmen mit zusammen 12,5 Billionen Dollar Umsatz, darunter sogar große Stahlerzeuger und Reedereien, haben den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen als Ziel definiert.

Während im Jahr 2015 emissionsarme Technologien gegenüber Kohle, Erdöl und -gas noch kaum wettbewerbsfähig waren, sei es heute möglich, 25 Prozent der globalen Emissionen mit klimafreundlichen Verfahren abzudecken – und bis 2030 könnten es 70 Prozent sein, rechnen die Experten vor. Die Kosten sinken viel rascher als angenommen, sodass zwei Drittel der neuen Kraftwerkskapazitäten auf Wind-, Solar- und Wasserkraft entfallen; an diesem Verhältnis hat laut der Internationalen Energieagentur IEA auch der Investitionsrückgang im heurigen Corona-Jahr nichts geändert. „Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass Texas zu einer der weltweit führenden Regionen für Windkraftwerke werden sollte?“, heißt es in der Studie.

Diese Trends haben in den Augen der Autoren Bedingungen geschaffen, die zu Kipppunkten auf den Märkten führen könnten – zu sich selbst verstärkenden Entwicklungen, die dazu führen, dass Investitionen fast nur mehr in emissionsarme Technologien fließen. Gleichzeitig wird aber auch angemerkt, dass die meisten Länder nicht rasch genug agieren, um die Paris-Ziele zu erreichen. Doch die Experten sind überzeugt, dass die Transformation des Energiesystems unaufhaltsam ist. Und die Rückkehr der USA in den Weltklimavertrag wird diesem Trend sicher nicht schaden.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2020)