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Ein Beethoven-Film „wie ein Musikclip“

Louis van Beethoven
Tobias Moretti spielt Beethoven – auch am Klavier – und singt die Arie des Osmin.ORF/ARD Degeto/Eikon/Zuzana Panská
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Niki Steins Biopic über den Jahresregenten mischt Überliefertes mit Erfundenem. „Dieser Beethoven ist unsere Interpretation“, sagt der Autor und Regisseur im Interview. Neben ihm prägt Tobias Moretti den Film.

Tobias Moretti ist ein grandioser Beethoven: Er gibt den Musiktitan, dessen Geburtstag sich soeben zum 250. Mal jährte, mit wuchtigen Locken und grimmigem Blick, spielt selbst Klavier und singt die Arie des Osmin aus „Die Entführung aus dem Serail“ vor. Moretti habe ihn mit seiner Musikalität beeindruckt, erzählt Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein. Sein bildmächtiges Biopic „Louis van Beethoven“ läuft Mittwoch im ORF (20.15 Uhr, ORF 2).

„Der Film ist sicher keine leichte Kost“, sagt Stein. „Man muss sich drauf einlassen. Es ist fast so etwas wie ein zweistündiger Musikclip.“ Die Musik wurde live eingespielt: Das Czech Ensemble Baroque spielt auf Originalinstrumenten. Moretti prägt den Film. Er gibt den alten Beethoven, der sich zu seinem Bruder (Cornelius Obonya) nach Gneixendorf zurückzieht und – angeregt durch einen Brief seiner einstigen Liebe Eleonore von Breuning – auf sein Leben zurückblickt.

Nicht nur ein grantiger Misanthrop

Der Film stand lange auf Steins Wunschliste. „Ich bin mit Beethoven groß geworden“, sagt er. Er ist in Bonn aufgewachsen (vielleicht bekommt daher Wien im Film nur wenig Gewicht), ging ans Beethoven-Gymnasium, machte selbst Musik. „Leider mit zu wenig Talent, um es zu meinem Beruf zu machen.“ Die Liebe zu Beethoven blieb. 1984 sah er Miloš Formans Mozart-Film „Amadeus“ im Kino: „Da habe ich erkannt, dass ein Film in der Lage ist, einer abstrakten, teilweise verkitschten Figur ein Gesicht zu geben.“

Er fand, vor allem Beethoven hätte das auch verdient. „Denn wir kennen nur diesen alten, grantelnden Misanthropen und denken nicht daran, dass er auch einmal jung war und wie er mit einem revolutionären Furor in die Welt hinein sprang.“ Stein zeigt Beethoven als Kind (Colin Pütz) und jungen Mann (Anselm Bresgott), der am Vorabend der französischen Revolution erwachsen wird – und im Alter (Moretti) auf seine unerfüllten Träume und darauf zurück blickt, was er für die Musik aufgegeben hat.

„Dieser Beethoven ist unsere Interpretation"

Vieles ist geschichtlich überliefert oder durch Quellen belegt, etwa die vielen Briefe von und an Beethoven. „Aber es ist immer auch ein wenig Spekulation im Spiel, wie bei jedem Biografen.“ Der Film ist keine Dokumentation, will es auch gar nicht sein. „Dieser Beethoven ist unsere Interpretation – die von mir und von Moretti“, sagt Stein. Er steht dazu, sich manche Szenen einfach ausgedacht zu haben – wie die im Wiener Kaffeehaus: „Beethoven kommt in den Billard-Salon und da ist prompt Lorenzo Da Ponte und zeigt Mozart sein Libretto für ,Don Giovanni‘. Welcher Zuschauer hat denn eine Vorstellung von Da Ponte, der eine der schillerndsten Figuren der damaligen Zeit war?“

Louis van Beethoven
Der junge Beethoven (Anselm Bresgott, li.) trifft im Film Wolfang Amadeus Mozart (Manuel Rubey, re.).ORF/ARD Degeto/Eikon/Dusan Martincek

Die Rolle des Mozart ist mit Manuel Rubey („Falco – Verdammt wir leben noch!“) hervorragend besetzt. Er habe, sagt Stein, für den Film die Briefe von Mozart noch einmal gelesen. Der sei ein intelligenter und ironischer Briefeschreiber gewesen, in diesem Metier jedenfalls besser als Beethoven. „So doof, naiv und gackernd, wie er in ,Amadeus‘ gezeigt wird, kann der nicht gewesen sein.“ Aber auch in seinem Film kommt Mozart als unverlässlicher Lebemann rüber. „Das Teuerste, das Mozart hinterlassen hat, waren seine Klamotten.“ Er sei durchaus so etwas wie ein Popstar seiner Zeit gewesen. Und so spielt ihn Rubey: lässig und ein bisschen arrogant. Auch das ist der Unterhaltung geschuldet. „Man soll ja nicht vor Ehrfurcht erstarren und der heiligen Beethoven-Messe folgen, sondern soll sich auch amüsieren.“

Mit Schlingensief am „Tatort“-Set

Bekannt ist Niki Stein für seine beeindruckende Liste an „Tatort“-Folgen, die er geschrieben und inszeniert hat. Oft zwei im Jahr. „Zum ,Tatort‘ bin ich als Produktionsfahrer bei Schimanski gekommen“, sagt er. Später war er Aufnahmeleiter. „Zusammen mit Christoph Schlingensief. Der hat damals vielleicht auch noch von Hollywood geträumt, bevor er einen anderen Weg gefunden hat. Es war immer sehr lustig mit ihm, er war ein sehr humorvoller Mensch.“

Einen „Tatort“ zu schreiben, sei gar nicht so einfach: „Der Zuschauer weiß sofort, dass die Kommissare am Ende den Fall lösen und dass sie überleben. Das sind aber Fragen, die bei einer Hauptfigur eigentlich nicht vorab geklärt sein sollten.“ Auf der anderen Seite habe man in dieser Krimireihe viele Freiheiten. „Man muss nicht sinnentleert schreiben, sondern hat die Möglichkeit, gesellschaftliche Themen aufzugreifen.“ Er selbst schreibe gerade an einem „Tatort“ für den SWR, in dem es um das „Corona-Gefühl“ und gesellschaftliche Verantwortung geht. Gerne würde er einen Wien-„Tatort“ machen, sagt Stein. Der ORF habe aber nie gefragt – obwohl er drei Jahre lang in Wien gelebt hat. „Sagen sie denen, ich komme sofort – sogar mit dem Rad, wenn's sein muss!“

"Louis van Beethoven": 23. 12., 20.15 Uhr, ORF 2 und 25. 12., 20.15 Uhr, im Ersten