Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Überführt Mathematik in Poesie. Der Ire Colum McCann.
Premium
Buchbesprechung

Colum McCanns Roman „Apeirogon“: Der Nahostkonflikt von den Anfängen bis heute

Den Nahostkonflikt von den Anfängen bis in die Gegenwart – nichts weniger hat sich Colum McCann in seinem Roman „Apeirogon“ vorgenommen. Und es gelingt ihm, das Thema so zu beleuchten, dass man ein tieferes Verständnis gewinnt. Große Literatur!

Von der Longlist des Booker Prize auf die Shortlist hat es „Apeirogon“, der siebte Roman des 1965 geborenen irischen Autors Colum McCann, nicht geschafft. Das ist bedauerlich, handelt es sich doch um eines jener raren Bücher, die man ohne Zögern ein Meisterwerk nennen kann.
Thematische Grundlage sind der Nahostkonflikt von seinen Anfängen bis in die Gegenwart, seine Hintergründe und verschiedenen Phasen, doch egal, wie viel man bisher darüber gelesen und gehört hat, McCann gelingt es, das Thema von so vielen Seiten gleichzeitig zu beleuchten, dass man jenes tiefere Verständnis gewinnt, wie es nur wirklich große Literatur vermitteln kann.

Der Effekt der Gleichzeitigkeit ist schwer zu erzielen, denn, wie der von McCann zitierte Borges schrieb: „Sprache sei von Natur aus sukzessiv: Sie könne nur aufzählen, aber nicht den grandiosen Augenblick beschreiben, in dem er simultan Millionen köstlicher und grässlicher Vorgänge gesehen habe.“ Die vielen Facetten werden durch die geometrische Form des titelgebenden Apeirogons symbolisiert, eines Vielecks mit einer zählbar unendlichen Zahl von Seiten – ein abstraktes Polygon, das von weit weg wie ein Kreis aussieht, im Zoom aber aus geraden Linien besteht. Diese Form literarisch zu nutzen gelingt McCann durch ein Zahlenspiel, mit dem er die Mathematik in Poesie überführt.