Die Coronakrise hat auch den Chemieunternehmen zugesetzt. Doch europäische Firmen, die häufiger ihre Kosten gesenkt haben, kamen besser durch die Krise als viele US-Unternehmen, zeigt eine BCG-Studie. Künftig dürften auch Umweltaspekte eine stärkere Rolle spielen.
In Börsenrankings (wenn es um die größten Firmen überhaupt geht oder um die ertragreichsten Technologiekonzerne) dominieren regelmäßig US-Unternehmen oder solche aus China die Top-Ten. Bei den besten Chemieaktien sieht das anderes aus. Unter den zehn Großunternehmen (Börsenwert von mehr als sieben Milliarden Dollar), die ihren Anlegern in den vergangenen fünf Jahren (2015 bis 2019) die höchsten Gesamterträge gebracht haben, finden sich vier aus Europa und vier aus Indien. China und die USA sind nur je einmal vertreten. Das geht aus einer BCG-Studie („Value Creation in Chemicals 2020: Bouncing Back from a Year of Adversity“) hervor.
Die meisten dieser Firmen sind auch gut durch das Coronajahr 2020 gekommen, wobei sich Pharmazulieferer (wie das Schweizer Unternehmen Lonza, das unter anderem Chemikalien an den Impfstoffhersteller Moderna liefert) oder Baustofffirmen (wie der Schweizer Konzern Sika oder die indische Berger Paints) leichter taten als etwa der stark im Autogeschäft tätige belgische Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore (dessen Aktie sich auf Fünfjahressicht dennoch verdoppelt hat).
In den fünf Jahren vor der Krise brachten die Chemieaktien ihren Aktionären einen Gesamtertrag (Kursgewinne und Dividenden) von acht Prozent pro Jahr – so viel wie auch schon in den fünf Jahren davor. Das ist vergleichsweise unspektakulär: Finanzdienstleister (darunter Mastercard) und Techfirmen (darunter Apple) erfreuten ihre Anleger mit 20 bzw. 18 Prozent Gesamtertrag pro Jahr. Doch unter der Oberfläche zeigte sich bei den Chemiefirmen in den vergangenen fünf Jahren ein interessantes Phänomen: Europäische Unternehmen haben aufgeholt. Sie bescherten ihren Anlegern zwischen 2015 und 2019 elf Prozent Ertrag pro Jahr, bei US-Firmen betrug der Gesamtertrag lediglich fünf Prozent. Das habe damit zu tun, dass europäische Firmen ihre Kosten gesenkt haben, während sich die US-Unternehmen angesichts des Schiefergas-Hypes zu lange auf den billigen Ölpreis verlassen und nichts unternommen haben, meinen die Studienautoren.