Abschied: Die letzten Tage des Alphaville

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Wiens größte Videothek für fremdsprachige Filme schließt Ende Oktober. Ab sofort werden die Bestände der Wiedener Videothek, die seit 1997 als Treffpunkt für Liebhaber fremdsprachiger Filme gilt, abverkauft.

Wien. „Natürlich gab es rührende E-Mails und Anrufe der Kunden“, sagt Norman Shetler. Doch der Entschluss ist fix. Ende Oktober wird das Alphaville schließen. Ab sofort werden die Bestände der Wiedener Videothek, die seit 1997 als Treffpunkt für Liebhaber fremdsprachiger Filme gilt, abverkauft.

Ganz überraschend kommt das Ende nicht. Immerhin haben die Alphaville-Gründer schon länger „Zweitjobs“: Shetler ist Geschäftsführer des Gartenbau-Kinos, Georg Schneider in einem Hotelbetrieb. „Wir hätten die Videothek als Liebhaberprojekt einige Jahre weiterführen können, aber es ist ein Auslaufmodell“, so Shetler. Daher höre man lieber jetzt „mit erhobenem Haupt“ auf. Und auch wenn Shetler dem Internet nicht die Schuld für das Aus geben will, spielt es eine Rolle: „Es wachsen keine Stammkunden nach, die ,digital natives‘ haben keinen Bezug mehr zu physischen Trägermedien.“ Und: Die Zeiten, in denen man nach raren Filmen jagen musste, seien vorbei: „Man bekommt eh alles auf Amazon.“ Und der Fremdsprachenbonus? Ist in Zeiten der DVDs mit Sprachauswahl auch dahin.

Dass das Videotheken-Business schwierig ist, bestätigt der Wiener Berufsgruppenobmann Leopold Homola: Illegale Downloads, Raubkopien und Online-Videotheken, die keine Vergnügungssteuer zahlen, schmälern den Gewinn. Dass die Branche ausstirbt, glaubt er aber nicht – dafür sorge der Heimkino-Trend: „Kinoqualität erreicht man mit Raubkopien nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2010)

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