Stefan Ströbitzer dürfte Radiochefredakteur werden. Das wäre eine Kampfansage an die ÖVP. Ströbitzer gilt als versierter Redakteur – und als Vertrauter von Fernsehchefredakteur Karl Amon.
Am Mittwoch verdichteten sich die Anzeichen, dass ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den derzeitigen ORF2-Infochef und „ZiB“-Leiter Stefan Ströbitzer zum neuen Radiochefredakteur bestellen könnte. Ströbitzer gilt als versierter Redakteur – und als Vertrauter von Fernsehchefredakteur Karl Amon, der aller Voraussicht nach kommende Woche zum neuen Hörfunkdirektor des ORF bestellt wird. Vorausgesetzt, die SPÖ kann im Stiftungsrat (der am 9. September tagt) die nötigen 18 Stimmen auftreiben, um ihren Wunschkandidaten durchzubringen. 15 Räte zählen zum SPÖ-„Freundeskreis“ – deren Stimmen allein würden nur reichen, wenn es im 35-köpfigen Gremium fünf Enthaltungen gibt.
Redaktion will Aigelsreiter
Eine Entscheidung für Ströbitzer würde dem – nicht bindenden – Wunsch der Redaktion widersprechen: Die hat sich nach dem Hearing mit 24 Stimmen für Radio-Innenpolitikchef Hannes Aigelsreiter ausgesprochen, Ströbitzer erhielt 16. Beim Hearing in der vergangenen Woche sollen sich beide Bewerber gut geschlagen haben. Entscheidet sich Wrabetz für Ströbitzer wäre das aber vor allem ein Affront gegen die ÖVP, die seit der Nichtbestellung der an sich schon mit der SPÖ paktierten Lisa Totzauer zur TV-Magazinchefin irritiert ist. Im bürgerlichen Lager würde man dem Vernehmen nach Aigelsreiter als Radiochefredakteur den Vorzug geben. Wird es Ströbitzer, könnten die der ÖVP zuzurechnenden Stiftungsräte Amon bei dessen Bestellung die Zustimmung verweigern – der müsste in eine Kampfabstimmung gehen, die das Klima zwischen SPÖ und ÖVP weiter zu vergiften droht.
Nikolaus Pelinka, Leiter des SPÖ-„Freundeskreises“, meinte am Mittwoch, er hoffe auf eine „möglichst breite Mehrheit“ für Amon – auch aus dem Kreis der bürgerlichen Vertreter im Stiftungsrat. Zumindest in Teilen der ÖVP wird auch an der fachlichen Qualifikation Amons nicht gezweifelt – so meinte der Tiroler Stiftungsrat Helmut Krieghofer zur APA, er halte Amon für einen „Profi, der das können würde“.
Bis dato hat sich Amon freilich noch gar nicht um den Posten beworben – und das wird er wohl auch nicht, solange die Mehrheit nicht steht. Die Ausschreibung läuft bis kommenden Dienstag.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2010)