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Interview

„Taiwan befindet sich direkt an der Frontlinie“

Taiwans Außenminister, Joseph Wu, spricht im Interview mit der „Presse“ über Chinas Druck auf sein Land, warum sie sich auf einen Angriff vorbereiten und seine Erwartungen in die neue US-Regierung.

Die Presse: Vier Jahrzehnte lang sprachen Chinas kommunistische Machthaber von einer „friedlichen Wiedervereinigung“ mit Taiwan unter der Formel „Ein Land, zwei Systeme“. Zuletzt verzichtete Peking auf das Wort „friedlich“ und führt in Hongkong vor, dass das Modell „Ein Land, zwei Systeme“ keinen Wert mehr hat. Was bedeutet das für Taiwan?

Joseph Wu:
Wir schauen uns genau an, was die chinesische Führung proklamiert. Noch wichtiger für uns ist aber zu verstehen, was sie anstrebt und auf was sie sich vorbereitet. Es stimmt, im März wurde bei einer Gelegenheit das Wort „friedlich“ aus einer offiziellen Erklärung eliminiert, das hat auch international große Besorgnis ausgelöst.

Entscheidend für uns aber ist, was der chinesische Führer, Xi Jinping, zu Taiwan zu sagen hat. Und Xi hat Anfang Jänner erklärt, dass Taiwan mit dem Festland unter dem Modell „Ein Land, zwei Systeme“ zusammengeführt werden soll. Wenn sich Taiwan weigere, werde China dem Einsatz von Gewalt nicht abschwören, ja, behalte sich den Einsatz von Gewalt vor, um die Differenzen mit Taiwan zu lösen.

Und wie steht Taiwan zum „Ein Land, zwei Systeme“-Modell?