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Klimadebatte und grüne Wenden: Zwischen Wut und Wursteln

Freitagsdemonstrationen und die Kunst des Hinauszögerns: Greta Thunberg ist die perfekte Ikone der Empörung. Der kollektive biblische Zorn verdeckt dabei die Tatsache, dass die Ursachen unseres derzeit prominentesten ökologischen Problems bei uns selbst liegen.

Grün und ökologisch ist längst nicht mehr historisch unschuldig und neu. Was mit der Klimadebatte und der sie begleitenden Freitagsdiskussionen von jungen Menschen in aller Welt begonnen hat, ist als eine zweite ökologische Wende, als Renaissance grünen Gedankenguts zu verstehen, wobei die zeitliche Differenz zwischen dem Damals und dem Heute in etwa dem Zeitmaß einer Generation entspricht.

Das Vergessen ist die Mutter des Neuen. Jene, die heute oftmals im Zeichen des apokalyptischen Reiters marschieren, kennen all die Diskurse und Debatten jener ersten Wende nicht, deren Nachwirkungen ja stets sichtbar waren, in den Programmen von Parteien, in ökologischen Organisationen und Netzwerken und zahlreichen Aktivitäten. Meine Bibliothek umfasst einige hundert Bücher, unter denen einige einmal Klassiker waren, der Bericht des Club of Rome sowieso, aber auch Bücher wie „Ein Planet wird geplündert“ (Herbert Gruhl), Umweltethiken, Kritik an den „gnadenlosen Folgen des Christentums“ (Carl Amery), die Esoterik eines Rudolf Steiner, den ein Kritiker seinerzeit spöttisch als Astral-Marx bezeichnete, und viele Bücher des späteren österreichischen Alternativ-Ökonomen Leopold Kohr, in deren Zentrum das menschliche Maß mit dem Lob des Kleinen verbunden wurde. Zu erwähnen ist auch ein Buch des Heidegger-Schülers Hans Jonas, „Das Prinzip Verantwortung“. Eine gewiss subjektive Auswahl von Texten, die die bunte theoretische Mischung von Frühgrün bezeichnet.