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Leitartikel

Warum impft Österreich so langsam?

imago images/CTK Photo
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Israel verabreicht derzeit täglich 150.000 Biontech-Injektionen gegen Covid-19. Deutschland hat bisher insgesamt immerhin mehr als 165.000 Stiche gesetzt. Und Österreich? 6000. Das ist zu wenig.

Man muss nicht naiv sein, um zuversichtlich ins neue Jahr zu blicken. Dafür gibt es handfeste Gründe: die Impfstoffe, die eine Wissenschaftler-Riege in Rekordzeit entwickelt hat. Ein Präparat davon ist bereits zugelassen in der EU, das mRNA-Vakzin des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer. Weitere werden bald folgen, zuerst das Mittel der US-Firma Moderna, danach der britisch-schwedische Vektor-Impfstoff von AstraZeneca.


Die Wende im Kampf gegen das Coronavirus kommt mit einem kleinen Stich. Die Frage ist nur, wann. Und da zeigt sich, dass manche Länder schneller als andere handeln. Israel hat derzeit die mit Abstand höchste Impfrate der Welt. Es verabreicht täglich mehr als 150.000 Biontech-Injektionen. In nur einem Monat sollen 2,25 Millionen israelische Bürger geimpft sein. Deutschland hat inzwischen immerhin mehr als 165.000 Nadeln gesetzt, wie auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts zu lesen war. In Österreich existiert eine solche Datensammlung nicht einmal. Soll noch kommen, beteuert das Gesundheitsministerium. Der Durchblick des Bundes endet hinter der Wiener Ringstraße; denn Impfen ist wie jede Gesundheitsfrage Ländersache. Man kennt das Problem aus zehn zähen Corona-Monaten, behoben ist es noch nicht.

Viel mehr als die zuletzt öffentlich verkündeten 6000 Impfungen dürften in Österreich trotz Medienrummels nicht durchgeführt worden sein. Das sind nicht zehnmal weniger als in Deutschland, wie es der Bevölkerungszahl entspräche, sondern 27 Mal weniger. Dass andere EU-Mitglieder wie Frankreich oder die Niederlande noch kaum oder gar nicht impfen, bleibt ein schwacher Trost. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, Tempo und Logistik in Österreich zu hinterfragen. Doch während in Deutschland eine Debatte entbrannt ist, warum es nicht schneller geht, bleibt hierzulande alles gemächlich.

Es war richtig, der EU-Kommission die Beschaffung und aliquote Verteilung der Impfstoffe zu überlassen. Gemeinsam hat Europa mehr Verhandlungsmacht. Es war auch gescheit, dass die EU nicht alle Eier in einen Korb gelegt, sondern mit sechs Herstellern Verträge für insgesamt 1,3 Milliarden Dosen abschloss. Am Ende wird es für alle reichen, doch das kann dauern.

Denn leider hat man in Brüssel im Gegensatz verabsäumt, stärker und früher auf Forschungsergebnisse zu reagieren und mehr bei Biontech zu bestellen. Das wäre möglich gewesen, wie Unternehmensgründer Ugur Sahin neulich erklärte. Die USA orderten bereits im Juli 600 Millionen Dosen des erfolgversprechenden Impfstoffs, die EU gab erst im November den Zuschlag, und zwar lediglich für die Hälfte. Europa sparte an der falschen Stelle. Auch deshalb klafft nun eine Impflücke. Ein Fehler. Lockdowns kosten deutlich mehr als Impfstoffe.

Umso unverständlicher ist es, dass manche Bürger klüger als Wissenschaftler sein wollen und Impfungen trotz Erprobung bei Zehntausenden Probanden ablehnen. Ihre Verantwortungslosigkeit wird nur noch von einer Partei überboten, die gegen eine Impfpflicht kampagnisiert, die es mangels Muts der Bundesregierung leider gar nicht gibt.