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Geschichte

Die unterspülte Stadt – vergessene Gewässer in Wien

Überall in Wien plätschert es, manchmal oberirdisch, manchmal unter den Straßen. Es sind uralte Adern der Stadt, viele sind vergessen. Nicht ganz: Ein neues Buch weckt die Flüsse Wiens zum Leben.

Allzu viel Fantasie haben die Wiener in der Vergangenheit bei der Namensgebung für ihre Wienerwaldbäche nicht entwickelt. Der Nesselbach und der Krottenbach in Döbling waren gesäumt von Brennnesseln und in der Nacht wurde hier laut gequakt, am Arbesbach wuchsen Erbsen. Der Ottakringer, Lainzer und Liesingerbach gaben den alten Vororten ihren Namen. Und der Ameisbach? Ging nicht auf das zurück, was man zunächst assoziiert, „A Maisz“ war im Mittelhochdeutschen der Name für eine kleine Waldlichtung.

Insgesamt gibt es etwa 50 Bäche, deren Quellen im Wienerwald aus dem Boden über der wasserundurchlässigen Flyschzone entspringen und ihren Weg bergab in die Stadt hineinfinden. Da die Rinnsale wegen des Sandstein- und Tongehalts des Untergrunds nicht versickern können, reagieren sie unmittelbar auf starken Niederschlag und können sich dann zu Hochwasser führenden, gefährlichen Wildbächen entwickeln. Dann kann der Wasserpegel wie bei der Kalten und Dürren Wien, die sich zum Wienfluss vereinigen, rasch auch um einen Meter ansteigen. Regelmäßig überflutete der so harmlos wirkende Schreiberbach die Ortschaft Nußdorf, die dann nur mit dem Schiff zu erreichen war.

Fast alle überwölbt. Die Gefahr ist inzwischen gebannt, zwei Drittel der Bäche, die in den Donaukanal münden, sind heute gar nicht mehr zu sehen. Sie wurden im 19. Jahrhundert überwölbt, auch weil sie durch die Schuld der Bewohner, die hier alles Mögliche entsorgten, üble Gerüche ausstießen und Krankheiten verbreiteten. Schritt für Schritt wurden die Bäche in das Kanalsystem integriert und verschwanden aus dem Stadtbild. Zu sehen sind sie nur mehr für Wanderer am Rand der Stadt, die neben den V-förmig eingegrabenen Abhängen unterwegs sind.