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Arbeitsmarkt

AMS-Chef Kopf: Nach der Krise kommt der Aufschwung

AMS-Chef Johannes Kopf
AMS-Chef Johannes KopfAPA/HERBERT NEUBAUER
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Für Ende Jänner sei der Höhepunkt der absoluten Arbeitslosenzahlen zu erwarten, sagt AMS-Chef Johannes Kopf. Eine genaue Prognose, wann der Aufschwung am Arbeitsmarkt kommen werde, sei schwierig.

Die derzeitige Krise, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, ist die größte Arbeitsmarktkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. "Nach der Krise kommt der Aufschwung", ist der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, im APA-Interview überzeugt. Dafür müssten schon jetzt Arbeitslose umgeschult und ausgebildet werden. Zuvor werde die Arbeitslosigkeit in Österreich aber noch über 500.000 Personen steigen und vermutlich Ende Jänner einen Höhepunkt erreichen.

Eine genaue Prognose, wann der Aufschwung am Arbeitsmarkt kommen werde, sei aber schwierig. Aus heutiger Sicht gehe man davon aus, dass ab dem dritten Quartal 2021 die Arbeitslosigkeit sinken werde. Als Wendepunkt der Entwicklung sieht Kopf die Impfung bzw. ihre Verbreitung. Hier werde es "Vorzieheffekte" geben: "Wenn diese Impfung breiten Teilen der Bevölkerung verfügbar ist und anderen in Aussicht gestellt wird, dann kann man davon ausgehen, dass die Investitions- und Konsumneigung wieder steigt, weil man merkt, da geht was weiter." Für sich selber hat er die Entscheidung schon getroffen: "Sobald es eine Impfung gibt, lass' ich mich impfen."

Mehr als 500.000 Arbeitslose werde es schon Ende Dezember gegeben haben. Im Jänner werde die Arbeitslosigkeit dann sicher noch höher sein. Für Ende Jänner sei der Höhepunkt der absoluten Arbeitslosenzahlen zu erwarten. Außerdem müsse man ernsthaft davon ausgehen, dass es heuer wohl keinen richtigen Wintertourismus mehr geben werde. Dieser hänge auch von den Reisewarnungen und den Quarantänebestimmungen ab. Auf die Arbeitslosigkeit wirke sich der darniederliegende Tourismus nicht so massiv aus, da die Hälfte der Beschäftigten Ausländer seien, die sich jetzt oft in ihren Heimatländern aufhielten.

Wichtig werde auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit am Bau, die von der Wetter- bzw. Schneelage abhängig sei. Wenn es im Winter in tiefen Lagen Schnee gebe, könne die Bautätigkeit nicht fortgeführt werden und Aufträge nicht ausgeführt werden. Insgesamt sei die Baukonjunktur in der Coronakrise aber überraschend stabil geblieben.

Ende März werde die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den Vorjahreszahlen jedenfalls sinken, weil sie im März 2020 - mit dem Beginn des ersten Lockdowns - explodiert sei. Damals war ein Anstieg innerhalb von 14 Tagen um 200.000 Arbeitslose verzeichnet worden. Bis Mitte April waren dann die Arbeitslosenzahlen noch weiter gestiegen. "Wir sind schon tief gesunken, wenn ich runtergefallen bin, kann ich nur mehr eine Stufe runterfallen oder zwei".

Auf den heuer erwarteten Wirtschaftsaufschwung sei das AMS gut vorbereitet. Mit der Corona-Joboffensive habe man das größte Schulungsprogramm gestartet mit Hilfe der 700 Millionen Euro von der Regierung. Weiters werde die Kurzarbeit fortgesetzt und der Umsatzersatz, gekoppelt mit einem Kündigungsverbot, sei für die Unternehmen attraktiv. "Das kostet zwar wahnsinnig viel Geld, aber es wirkt," ist Kopf von den Corona-Hilfen überzeugt.

Kurzarbeit keine Dauerlösung

Dabei sollte aber in manchen Branchen auch einmal über ein Ende für die Kurzarbeitshilfen gesprochen werden, meint der AMS-Vorstand. Er sei dagegen, tausende Beschäftigte in der Luftfahrt für einen langen Zeitraum bei kaum Arbeitszeit zu halten. Da müsse man auch zur Kenntnis nehmen, dass sich Geschäftsreisen künftig reduzieren werden und dass ein Teil des Tourismus wohl nicht zurückkehren werde. Daher sollte man auch den Beschäftigten, die in diesen Branchen arbeiten bzw. Dienstleistungen dafür anbieten, die Gelegenheit zur Umorientierung geben. Für die tausenden neu auszubildenden Pflegekräfte gebe es zum Glück auch Interessentinnen und Interessenten aus dem Tourismus.

Sorgen bereitet dem AMS-Vorstand die stark gestiegene Zahl der Langzeitarbeitslosen. Ende November gab es um 36 Prozent mehr Langzeitbeschäftigungslose als im Jahr davor, nämlich 128.000 Personen. Natürlich sei auch die Flüchtlingsintegration auf dem Arbeitsmarkt durch die Krise gebremst worden. Die großen Trends - Digitalisierung und Homeoffice - seien durch die Krise hingegen beschleunigt worden. Onlinekonferenzen statt Geschäftsreisen, und vermehrt Arbeiten von zu Hause aus werden bleiben, erwartet Kopf. Und Arbeitskräfte in der Digitalisierung würden immer stärker nachgefragt, hier gebe es Fachkräftemangel. "Es war ein annus horribilis, und trotzdem gibt es auch Positives in diesem schwierigen Jahr", meint der AMS-Vorstand. Den Beschäftigten beim AMS, die den Ansturm von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bewältigt haben, wolle er seinen Dank aussprechen.

(APA)