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Kolumne zum Tag

Persönliche Neuorientierung nach der Pandemie

frau in quarantaene mit mundschutz schaut depressiv aus dem fenster ihrer wohnung *** woman in quarantine with mouth gua
Während drei harten Lockdowns gab es viel Zeit innezuhalten. Zu den "Langzeitfolgen" der Coronakrise werden daher auch Spurwechsel und Neuausrichtungen in der eigenen Zukunftsplanung gehören.imago images/Rolf Kremming
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Das vergangene Jahr bot notgedrungen viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren. Und wird vielen in so mancher Hinsicht die Augen geöffnet haben.

Es ist ein seltsames Phänomen, das den meisten nicht unbekannt sein dürfte. Nach einem längeren Aufenthalt in einem fremdsprachigen Land machen sich die Fortschritte in dieser Sprache nicht schon am Ende der Reise, sondern oft erst in den Monaten nach der Rückkehr bemerkbar – offenbar muss das Erlernte erst einmal sickern. Wie im Übrigen auch die Eindrücke und Erfahrungen. Wer eine Auszeit nimmt und sich beispielsweise ein Jahr auf Weltreise begibt, um danach neu zu beginnen, ändert sein Leben zumeist nicht unmittelbar danach, sondern einige Zeit später.

Das ist natürlich nur eine persönliche Wahrnehmung aus dem Freundeskreis, beruht aber auf mindestens zwei Dutzend Beispielen. Die Theorie lautet also: Nach einem radikalen Tapetenwechsel braucht es eine Art Gegen-Check mit seinem alten Leben, um Gewissheit zu erlangen und eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen – oder alles beim Alten zu lassen.

Auch das Jahr der Pandemie mit Homeoffice, Kurzarbeit und minimalem sozialen, kulturellen sowie gesellschaftlichen Leben dürfte für so manche Neuausrichtung in der Zukunftsplanung sorgen. Auf sich selbst zurückgeworfen zu werden und sich mit essenziellen Dingen wie Gesundheit, Familie und Beruf beschäftigen zu müssen, hat bei vielen dazu geführt, nicht nur ihren Job und ihre Wohnung infrage zu stellen, sondern auch die Stadt und das Land, in dem sie leben.

Allerdings wird es wohl eine Weile dauern, bis die Vorsätze auch in die Tat umgesetzt werden. Denn erst einmal wollen wir alle unser altes Leben zurück. Unsere liebgewonnenen Gewohnheiten und Rituale, die wir als selbstverständlich betrachteten und denen wir zu wenig Bedeutung beimaßen, die jetzt aber plötzlich wieder an Wert gewonnen haben. Wenn der gewohnte Alltag wieder Einzug hält, wird sich zeigen, wie tief die Spuren sind, die dieses als Coronakrise bezeichnete halbe Leben hinterlassen hat.

Bis dahin bleibt die Vorfreude. Und sie ist nach dem vergangenen Jahr größer als die Sehnsucht, nach drei Monaten Backpacking in Australien wieder im eigenen Bett schlafen zu können.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com