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Nachruf

Stimme aus und für Liverpool: Gerry Marsden ist tot

Marsden 2003 im Celtic Park von Glasgow vor dem Uefa-Cup-Viertelfianale Celtic gegen Liverpool.(c) images/ZUMA Press
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Gerry Marsden, Sänger von Gerry and the Pacemakers, die kurz Konkurrenten der Beatles waren, ist 78-jährig gestorben. Sein „Ferry Cross The Mersey“ und seine Version von „You'll Never Walk Alone“ bleiben.

Ja, gewiss, „Penny Lane“ und „Strawberry Fields Forever“ werden dem Liverpool-Besucher nicht vorenthalten, aber noch präsenter ist ein anderer Song: Er läuft bei jeder Hafenrundfahrt, oft dann wenn die Reiseführer das Trinkgeld einsammeln . . . Die Rede ist von „Ferry Across The Mersey“, geschrieben und gesungen 1964 vom Liverpooler Gerard Marsden: ein ziemlicher Schmachtfetzen, mit Zeilen wie „This land's the place I love, and here I'll stay“, besonders erfolgreich in Chicago, wo sich offenbar viele Exil-Liverpooler an ihren Fluss Marsey erinnerten. Marsden, der sich Gerry nannte (was man in Liverpool mit [dsch] spricht), war damals 22 und hatte eine Band namens Gerry and the Pacemakers, die nicht nur aus derselben Stadt kam wie die Beatles, sondern auch denselben Manager (Brian Epstein) und denselben Produzenten (George Martin) hatte wie diese. Mehr noch: Ihr erster Hit – „How Do You Do It?“ – wäre eigentlich für die Beatles vorgesehen gewesen, die bestanden aber auf ihrem „Please Please Me“, nicht ohne Erfolg, wie man heute weiß.

Vergleich ist spannend: Formal ähneln die Hits von Gerry and the Pacemakers den frühen Beatles-Songs durchaus – Merseybeat nannte man das damals –, aber ihnen fehlt deren Intensität, deren wilde Euphorie: Marsden war nicht der Mann für ein „Yeah, yeah, yeah!“, man hörte einfach, dass er viel lieber Balladen gesungen hätte. Und eine solche gab man ihm dann auch: „You'll Never Walk Alone“ aus dem 1945 uraufgeführten Broadway-Musical „Carousel“, einer Adaption von Ferenc Molnars „Liliom“, mit optimistisch gewendetem Finale. Genau dessen Zuversicht drückte der Song mit vollem Pathos aus, und genau dieses Pathos fand seine größte Resonanz auf dem Fußballplatz. Genauer: auf den Rängen des Stadions des FC Liverpool, dessen Fans das Lied bis heute vor jedem Match anstimmen.