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Covid-19

Virus-Mutanten jetzt in Österreich

Österreich hat schnell reagiert und ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien verhängt. Die neue Virus-Variante hat es dennoch ins Land geschafft (Archivbild aus Lonodn-Heathrow im Spätsommer).
Österreich hat schnell reagiert und ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien verhängt. Die neue Virus-Variante hat es dennoch ins Land geschafft (Archivbild aus Lonodn-Heathrow im Spätsommer).(c) Getty Images (Hollie Adams)
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Die in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Mutante ist in Österreich angekommen: Sie wurde bei vier Menschen nachgewiesen. Eine weitere Person wies eine südafrikanische Mutante auf.

Die britische Mutante des Coronavirus sei bereits in 32 Staaten der Welt nachgewiesen worden. Dies erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Montag. Darunter seien 15 europäische Staaten, wie etwa Deutschland, Belgien, Norwegen, Spanien, Portugal, Schweden, Griechenlandund die Schweiz – und nunmehr auch Österreich.

Außer der bereits im September in Großbritannien entdeckten Variante des Virus wurde nun auch eine in Südafrika entstandene in Österreich entdeckt. Der Genetiker Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin, CeMM, erklärte: „Die Varianten sind angekommen, dafür haben wir Beweise erbracht.“ Zur Frage, wie sehr die Mutanten in Österreich verbreitet seien, meinte er: „Wahrscheinlich nicht wahnsinnig stark.“

1 Bei welchen Personen wurden die Mutanten nachgewiesen?

Vier Menschen wurden gefunden, die die britische Variante in sich getragen haben. Deren Proben wurden auf dem Flughafen Wien-Schwechat genommen. Ein Mann, der am 21. Dezember aus London gekommen war, begab sich in Heimquarantäne. Er hatte sehr milde Symptome, wie Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Öffentliche Gesundheit der Österreichischen Gesundheitsagentur Ages, erläuterte. Eine zwölfjährige Österreicherin, die mit ihrer Familie am 18. Dezember aus England kam, hatte leichte Symptome, nämlich einen Schnupfen. Bei zwei Buben, neun und zehn Jahre alt, aus der Slowakei, ist ebenfalls der britische Stamm nachgewiesen worden. Zudem entdeckte man bereits am 6. Dezember bei einer 30-jährigen Österreicherin, die in Südafrika auf Urlaub war, die südafrikanische Virusvariante. Diese Frau war 18 Tage symptomatisch – und damit ungewöhnlich lang.

Bei den Flughafen-Fällen habe, so Allerberger, das Contact Tracing sehr gut funktioniert: „Es fanden keine belegbaren Infektionen im Bekanntenkreis statt.“ Die Zwölfjährige habe etwa auch nicht ihre Mutter angesteckt. Die slowakischen Kinder seien mit ihrem Vater auch gleich wieder zurück in die Slowakei gereist. Insgesamt halte sich derzeit keiner der „britischen Fälle“ mehr in Österreich auf.

2 Reden wir kurz über die Begrifflichkeit: Was ist eine Mutante?

Eine Mutante eines Lebewesens – und als solches darf man ein Virus mit etwas Nachsicht betrachten – ist eine Variante, deren Erbmaterial (Genom) eine oder mehrere Mutationen aufweist. So hat die britische Mutante von Sars-CoV-2 (meist B.1.1.7. genannt) etliche Mutationen, davon einige in dem Gen für das Spike-Protein, mit dem das Virus an den Zellen andockt.

3 Und was genau versteht man dann unter einer Mutation?

Eine Mutation entsteht zufällig durch einen Fehler, der oft bei der Verdopplung von Erbmaterial auftritt. Sie besteht darin, dass eine oder mehrere Basen – sozusagen die Buchstaben der Erbinformation – verändert sind oder fehlen. Wenn eine Mutation in einem Gen – also in der Bauanleitung für ein Protein – sitzt, kann sie dessen Funktion verändern, meist auf für das Lebewesen fatale Weise. Aber manchmal kann sie diesem zufällig einen Vorteil bringen – und sich (mit der Mutante, die sie trägt) dadurch in einer bestimmten Umwelt durchsetzen. Bei der britischen Mutante dürfte das vor allem eine Mutation namens N501Y sein, die direkt in dem Teil des Spike-Proteins sitzt, der Kontakt mit dem Rezeptor auf menschlichen Zellen aufnimmt. Die südafrikanische Mutante hat ein anderes Bouquet von Mutationen, doch N501Y hat sie auch.

4 Was bewirkt diese Mutation? Und was macht sie gefährlich?

Diese Mutation dürfte das Andocken erleichtern, was dem Virus, das sie trägt, gewiss einen Vorteil bringt – und dazu beiträgt, dass dieses sich weiter ausbreitet. Das habe offenbar die schnellere Ausbreitung von Covid in Südengland unterstützt, sagen manche Epidemiologen. Dass die Mutation N501Y den Krankheitsverlauf tendenziell verschlimmert, ist unwahrscheinlich. Es könnte freilich sein, dass andere Mutationen, die diese Mutanten tragen, das tun, es sieht aber derzeit nicht so aus.

5 Was versteht man unter Sequenzierung, wozu dient diese?

Bei der Sequenzierung von Erbmaterial (DNA bei uns, RNA beim Virus) werden alle Basen gelesen, dabei entdeckt man etwaige Mutationen. Natürlich kann man nicht die RNA aller Viren, die in Infizierten gefunden werden, sequenzieren. So ist es gut möglich, dass die Mutanten in Österreich häufiger sind, als man derzeit weiß.

6 Was wird nun getan, um die weitere Ausbreitung zu verhindern?

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) setze man stark auf europäische Zusammenarbeit. Es werde weiterhin strikte Einreisekontrollen geben. Zudem seien Landeverbote für Maschinen aus Großbritannien aufrecht. „Wir haben mit einem Lichtkegel in eine dunkle Scheune hineingeleuchtet“, sagte Anschober. „Nun muss der Lichtkegel breiter werden. Wir müssen mehr Wissen bekommen.“


[R2ZTI]