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Abhärtung

Die kalte Faszination: Ist Eisbaden wirklich gesund?

Zum Jahresstart, zur Abhärtung, für die Abwechslung im Alltag. Immer mehr Menschen zieht es ins eiskalte Wasser. Wer nimmt freiwillig ein Eisbad? Und warum?

Wenn sich Barbara Zilinska ins Wasser gleiten lässt, vermittelt sie beinahe den Eindruck, es sei angenehm warm um sie herum. Beinahe. Die Haube auf ihrem Kopf verrät anderes, so wie die Eisschicht, die den See um sie herum bedeckt, oder die weißen Wölkchen, die bei jedem Atemzug vor ihrem Gesicht tanzen. Wer sie schon davor beobachtet hat, hat ihr auch dabei zugesehen, wie sie ein Loch in das Eis schlägt, aus ihrer dicken Winterjacke und mehreren Schichten Gewand schlüpft, die Hände aneinander reibt und die Scheu vor dem Unbequemen überwindet. Mit einem Satz in den Uraniteich in Neuberg an der Mürz. Und wer sie eben dabei beobachtet hat, hat sich vielleicht auch gefragt: „Warum macht man so etwas?“

Es tue gut, die eigene Komfortzone zu verlassen, erklärt sie lachend. Und damit das gemütliche, beheizte Zuhause, in dem wir aktuell mehr Zeit denn je verbringen. Es ist die Suche nach dem Extremen, der neuen Herausforderung, dem Nervenkitzel, die sie in die raue Natur zieht. Während ihrer Zeit im Wasser ist sie ihr ausgesetzt – und für diesen einen Moment auf sich selbst gestellt. „Man geht an seine Grenzen, muss Willensstärke zeigen. Man erfährt, wozu der eigene Körper eigentlich fähig ist, wenn man ihn nur lässt.“ Vor allem das Gefühl danach lockt sie immer wieder in diese Eiseskälte. „Man blickt auf den See und weiß, da drin war man, mitten im Winter, das hat man geschafft. Das macht einen stolz. Und lebendig.“ Allein würde sie eine solche Erfahrung aber nicht machen. Ihren Begleiter, Philipp Archan, musste sie vom Winterschwimmen nicht mehr überzeugen. Denn dies tat der Niederländer Wim Hof. Er ist auch als „The Iceman“ bekannt, der aus seiner Faszination für Kälte einen regelrechten Kult geschaffen hat. Und in Menschen auf der ganzen Welt die Neugierde weckt. „Das erste Mal habe ich der inneren Stimme nachgegeben, die sagt: ,aufhören, abbrechen, rausgehen‘“, erzählt Archan. Aber die nächsten paar Male nicht mehr, da habe er durch Techniken wie regulierte Atmung und Konzentration ein Gefühl der Erdung verspürt. „Das ist schon eine bekräftigende Erfahrung, wenn man trotzdem bleibt, hinspürt, schaut, was da alles im Körper passiert.“ Dass man mitten in der Kälte plötzlich Wärme verspüre, zum Beispiel. Auch danach sei es faszinierend, wie der Körper wieder aufwärmt und hochfährt. „Das fühlt sich sehr erfrischend und energetisierend an. Es ist ein richtiger Boost für Körper und Geist.“