Morgenglosse

Impfen? Wegen Urlaubs bitte nicht stören!

++ HANDOUT ++ CORONA: KAeRNTEN - COVID 19-IMPFSTART IM HAUS ÒMARIA GAILÒ IN VILLACH
++ HANDOUT ++ CORONA: KAeRNTEN - COVID 19-IMPFSTART IM HAUS ÒMARIA GAILÒ IN VILLACHAPA/LPD/OSKAR HÖHER
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Der schwache Beginn zeigt erneut, dass das Gesundheitsministerium ein Organisationsproblem hat.

Als das Gesundheitsministerium im Juli eine an Fehlern nur so strotzende Einreiseverordnung erließ, war die Erklärung rasch parat. Eine Urlaubsvertretung habe sich vertan. Darüber hätte man ja vielleicht noch lächeln können, es sind ja nur Paragrafen (auch wenn man es als Betroffener bereits nicht so lustig fand).

Wenn nun aber auch der fehlende Einsatz von bereits in Österreich lagerndem Impfstoff mit Urlaub und Planungssicherheit gerechtfertigt werden soll, wird es ernst. Seit dem Impfstart am 27. Dezember war eineinhalb Wochen kaum etwas weitergegangen. „Wir liegen genau im Plan“, meinte dazu am Dienstag Katharina Reich, neuerdings „Chief Medical Officer“ des Gesundheitsministeriums, in der „ZiB 2“. Es sei wichtig, den ursprünglichen Impfplan einzuhalten und nichts vorzuziehen. Die Menschen brauchten diese Sicherheit. Und Weihnachten sei eine „personalkritische Zeit“.

Nun mag die Impfstoffverteilung (Kühlung) anspruchsvoll sein. Nun mag man verstehen, dass Beamte und Ärzte Urlaub brauchen. Aber der Impfstoff fiel nicht vom Himmel. Stolz hatte Minister Rudolf Anschober zuletzt darauf verwiesen, dass er schon vor Monaten richtig prognostiziert habe, dass der Impfstoff um den Jahreswechsel komme. Dann hätte er sein Ministerium aber auch darauf vorbereiten müssen. Und wenn nicht, sollte Anschober selbst dafür Rede und Antwort stehen und nicht eine Mitarbeiterin ins TV schicken. Bei der Frage, wie schnell man impft, geht es um Leben und Tod. Das kann man nicht mit Urlaub oder unumwerfbaren Plänen erklären. Wenn der Staat von Bürgern im Lockdown Flexibilität verlangt, dürfen Bürger sie vom Staat erwarten.

Dass am Mittwoch dann erklärt wurde, nun doch vorzeitig weiterzuimpfen, war also dringend nötig. Es ändert aber nichts daran, dass das Ministerium ein Organisationsproblem hat. Das hat Anschober selbst zu lösen, nicht irgendeine Vertretung.

philipp.aichinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2021)

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