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Linguistik

Der „Duden“ macht mit dem Gendern Ernst

Ein Mann und eine Frau bei einem Spaziergang (Archivbild)Die Presse/Clemens Fabry
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Ein Mieter ist künftig immer ein Mann: Das Wörterbuch entfernt das generische Maskulinum. Einige Linguisten kritisieren das Vorgehen.

Welches Geschlecht hat ein Steuerzahler, Schüler oder Politiker? Im bisher allgemeinen Sprachgebrauch kann es sich dabei in vielen Fällen sowohl um einen Mann als auch um eine Frau handeln – das nennt man dann das „generische Maskulinum“, das es im Deutschen wie in vielen anderen Sprachen gibt.

Der „Duden“ hat ihm nun den Kampf angesagt – aber ohne offizielle Kriegserklärung. In der Online-Ausgabe des Wörterbuchs ersetzt man seit dem Vorjahr sukzessive die Definitionen bei Berufen, Funktionen oder Personengruppen. Aus dem Mieter als „jemand, der etwas gemietet hat“ wird „eine männliche Person, die etwas gemietet hat“. Und er bekommt eine „Mieterin“ als zusätzlichen Eintrag zur Seite gestellt.

Das ist nun der „Welt“ aufgefallen, die Zeitung fragte nach – und der „Duden“ stellte klar: Ja, 12.000 Einträge werden überarbeitet, bis Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ob auch die Printausgabe folgt, sei noch offen – die zusätzlichen weiblichen Formen brauchen ja ziemlich viel Platz. In Einzelfällen hat man aber schon in der aktuellen Auflage des Universalwörterbuchs Zeichen gesetzt: Der „Schüler“ etwa ist dort explizit nur ein „Junge“.

Drei von der „Welt“ darauf angesprochene Linguistinnen und Linguisten - die Auswahl mag nicht repräsentativ sein - kritisieren das Vorgehen als unwissenschaftlich. Peter Eisenberg in Potsdam hält das Gendern nach „Duden“-Art für „skandalös“ und eine „Irreführung“ der Nutzer. Elisabeth Leiss in München nennt es „grotesk“ und „völlig unverantwortlich“, die „Duden“-Redaktion sei damit dem „aktuellen Gender-Unsinn“ verfallen. Und für Ewa Trutkowski von der Uni Bozen bilden die geänderten Definitionen nicht die sprachliche Realität ab. Damit missbrauche der „Duden“ seinen Einfluss – ein Wörterbuch sollte den Sprachgebrauch dokumentieren, aber nicht versuchen, ihn zu verändern.     (red.)[R3AWS]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2021)