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Öffnung

Tests sollen das Schuljahr retten

(201012) -- PETAH TIKVA, Oct. 12, 2020 -- A health worker takes a swab sample from a child for rapid coronavirus test So
Schüler sollen regelmäßig getestet werden(c) imago images/Xinhua (Gil Cohen Magen via www.imago-im)
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Durch Corona sind im Vorjahr bis zur Hälfte der Schultage entfallen. Das soll sich nicht wiederholen. Dafür sollen wöchentliche Corona-Tests bei Schülern sorgen.

Wien. Exakt 181 Tage hätten die Jugendlichen im vergangenen Jahr in der Schule verbringen sollen. Tatsächlich sind es gerade einmal 91 gewesen. Durch Corona sind in den Oberstufen die Hälfte der Schultage vor Ort entfallen. In den Volksschulen und Unterstufen ist es immerhin ein Drittel gewesen. Im neuen Jahr droht es noch eine Weile so weiterzugehen. Denn wann die Schulen öffnen, ist noch immer nicht entschieden.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will es am Samstag verkünden. Im Bundeskanzleramt würde man die für 18. Jänner geplante Öffnung offenbar gern verschieben. Auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Vorgehensweisen sind im Gespräch gewesen. Der Bildungsminister möchte aber am bisherigen Plan festhalten. Dabei soll eine neue Teststrategie helfen. Details will Faßmann am Samstag präsentieren.

Fix ist, dass künftig nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler regelmäßig getestet werden sollen. Von ein- bis zweimal die Woche ist da zu hören. So will man die Zeit, bis die Impfung Abhilfe schafft, in den Schulen überbrücken. Dafür will das Bildungsministerium Selbsttests, also „Wohnzimmertests“, wie sie der Minister einmal nannte, anschaffen. Konkret handelt es sich dabei um Antigentests, bei denen ein Abstrich im vorderen Bereich der Nase nötig ist. Bisher wartete das Bildungsministerium auf grünes Licht aus dem Gesundheitsressort. Bestellt sind aber schon mehrere Millionen Tests.

Corona sorgt für einen Bildungsverlust

Das Bildungsministerium will damit ein weiteres Auf- und Zusperren der Schulen verhindern. „Jeder Tag, an dem die Schulen offen sind, ist ein guter Tag“, betont der Minister immer wieder. Im Umkehrschluss ist jeder Tag, an dem die Schüler im Distance Learning sitzen, ein schlechter für die Bildung der Kinder. Tatsächlich werden die Warnungen vor erheblichen Bildungsverlusten immer lauter. „Weniger realer Präsenzunterricht bedeutet weniger Wissen. Das ist eine Milchmädchenrechnung“, sagt etwa Niederösterreichs Bildungsdirektor, Johann Heuras (ÖVP), im Interview mit der „Presse“. Bei den kleinen Kindern seien die Verluste „besonders krass“.

(c) Die Presse

Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu sind noch Mangelware. Eine Studie der Uni Oxford, bei der die Auswirkungen der ersten achtwöchigen Schulschließung in den Niederlanden untersucht wurden, zeigte, dass die Volksschüler in dieser Zeit insgesamt wenig oder gar keinen Lernfortschritt gemacht haben. Wobei das nur im Schnitt so gewesen ist. Gerade bei den jüngeren Kindern müssen die Eltern das Home-Schooling übernehmen. Der Lernfortschritt war deshalb stark vom sozialen Hintergrund abhängig.

 

Freiwilliges Wiederholungsjahr?

Mit zunehmendem Alter spielt das eine kleinere Rolle. Die Jugendlichen werden im Distance Learning via Video von ihren Lehrern unterrichtet. Der digitale Fernunterricht hat im Herbst (zumindest in den meisten Schulen) deutlich besser funktioniert. Lernverluste sind trotzdem zu erwarten. Bei manchen Schülern seien sie gering, bei anderen groß und nicht mehr aufzuholen, erzählen Direktoren. In Deutschland hat der Lehrerverband deshalb ein freiwilliges Zusatzjahr gefordert.

Unvorstellbar ist das auch für Österreichs AHS-Direktorensprecherin nicht. Um zu verhindern, dass Schüler, die nicht mehr mitkommen, die Schule abbrechen, brauche es nun umfassende Förderangebote, meint Isabella Zins. „Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es auch einen Plan B braucht“, sagt sie zur „Presse“. Darunter kann auch sie sich ein Zusatzjahr vorstellen. Das sollen all jene überspringen können, die es nicht brauchen. Die „geistigen Umsatzrückgänge“ will der niederösterreichische Bildungsdirektor Heuras wiederum durch eine Erhöhung der Unterrichtsstunden ausgleichen. Pro Woche soll es zwei bis drei Stunden mehr geben.

Im Bildungsministerium setzt man auf einen Ergänzungsunterricht in den Semester- und Osterferien und plant eine Neuauflage der Sommerschule. Alles allerdings nur freiwillig. Denn die neunwöchigen Ferien will offenbar niemand antasten.

Fernunterricht

Die Schulen starteten nach den Weihnachtsferien wieder im Distance Learning. Es ist die insgesamt dritte Schulschließung. Besonders betroffen sind die Oberstufenschüler. Sie befinden sich (abgesehen von einzelnen Stunden) seit November im Fernunterricht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2021)