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Durchhalten, bis der Sommer kommt.
Psychologie

Aufzeichnungen aus der Psychiatrie – Ich komme zurück wie ein Bumerang

Wir sind alle aus verschiedenen Gründen hier. Wer hier ist, lernt schnell: Es gibt unzählige Auslöser für ein und dasselbe Leid. Ärzte legen Spuren aus Medikamenten und hoffen, uns aus dem Irrgarten der Psychose herauszuholen.

Und nun bin ich also hier in der Psychiatrie, schon ein Fortschritt, dass ich auf die offene Station verlegt worden bin, wo ich Besuch empfangen darf. Jetzt liege ich hier und schaue mir am Laptop Fotos von meiner Tochter und mir an, von uns am Strand oder auf den Bergen oder beim Tiere füttern im Zoo, und wundere mich, wie ich all die Zeit übersehen konnte, wie glücklich wir gewesen sind. Die Lüftung bläst ununterbrochen, wenn ich die Augen schließe, kann ich mir für einen Moment einreden, es sei dasselbe Geräusch, wie der Wind in den Bergen, dort, wo wir gewohnt haben, in besseren Zeiten, bevor ich versucht habe, mich, uns auszulöschen aus Hass gegen mich selbst und aus Angst vor dem Leben und den Menschen an sich. Und nun bin ich hier eingesperrt, damit ich mir selbst nichts antue – aus Schutz vor mir selbst. Getrennt von meiner Tochter, dem einzigen Grund, für den ich überhaupt jemals irgendetwas in meinem Leben getan habe. Ich will mit meiner Seele aus diesem kranken Körper fliehen und auf ewig ohne diesen Körper, der mich auf immer neue Arten quält, mit meiner Familie zusammensein. Es kann nur besser werden, wird mir immer wieder in den Vorräumen zu immer neuen Nebenwirkungshöllen versichert, es kann und wird besser werden, ich muss nur stillhalten und abwarten, geduldig sein. Ja, Geduld. Sei nur geduldig, halte still, es handelt sich nur noch um keiner-kann-sagen-wie-lange-genau.