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Interview

20 Jahre Washingtoner Abkommen: „Sind auf einem langjährigen Hoch“

Ariel Muzicant (links) und Wolfgang Sobotka im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde in der Wiener Seitenstettengasse.
Ariel Muzicant (links) und Wolfgang Sobotka im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde in der Wiener Seitenstettengasse.Die Presse/Clemens Fabry
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20 Jahre alt ist das Washingtoner Abkommen, mit dem das offizielle Österreich die jüdischen Opfer des NS-Raubs und Holocaust-Überlebende entschädigt hat. Ariel Muzicant und Wolfgang Sobotka erinnern sich.

Zeitgeschichte wirkt ex post oft ganz anders. Herr Muzicant, Sie waren nicht gerade ein Verfechter des Washingtoner Abkommens. Das war Ihnen damals zu wenig an Geste. Sind Sie heute stolz?

Ariel Muzicant: Ich war der böse Bube. Schüssel (damaliger ÖVP-Bundeskanzler, Anm.) und ich haben schwer gestritten, das kann er mir bis heute nicht verzeihen. Bei 30 oder 40 Antrittsbesuchen von Repräsentanten Österreichs habe ich jedes Mal den Vorschlag gemacht, eine Historikerkommission einzusetzen. Alle haben mich wohlwollend empfangen, doch die Idee am Ende schubladisiert. Dann kam Schwarz-Blau und die Israelitische Kultusgemeinde wurde auf die Seite geschoben, doch in die Claims-Konferenz von jüdischen Opferorganisationen haben wir uns hineinreklamiert. Diese aber forderte Sozialleistungen, bei denen Österreich wirklich viel leistete. Das muss man auch anerkennen. Gleichzeitig hat die Regierung aber gesagt, dass es weniger Entschädigung für die entzogenen Vermögenswerte gebe. Dafür hat die Kultusgemeinde deshalb gekämpft. Am Ende haben wir in Washington aber eigentlich verloren.


Das eine war für Leid, das andere für Vermögen. War das vielleicht das Problem?

Muzicant: Ich rede von der Geldmenge. Ich fand, dass das der falsche Zugang war. Wir wollten fertig werden mit dem Problem, aber dafür brauchte es eine vernünftige Entschädigung. Rausgekommen sind zwischen 14 und 16 Prozent des Vermögens, das uns geraubt worden ist.