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Literatur

Meisterin des Suspense: Wie Patricia Highsmith Europa eroberte

Sie lässt uns mit Psychopathen fiebern und verfolgt uns über ihre Storys hinaus: Vom erbarmungslosen Schreibleben der Patricia Highsmith.

Als Peter Handke und Wim Wenders die US-amerikanische Autorin Patricia Highsmith 1974 in ihrem Haus im französischen Montcourt besuchen, sagt Handke den etwas rätselhaften Satz: „Jedes Mal, wenn ich eines Ihrer Bücher zu lesen beginne, habe ich das Gefühl, dass Sie das Leben lieben, das Sie leben wollen.“ In ihrem Cahier Nr. 33 notiert Highsmith: „Das gefällt mir.“ Wenders wird „Ripleys Game“ nach einem Drehbuch von Handke unter dem deutschen Titel „Der amerikanische Freund“ verfilmen, mit Bruno Ganz und Dennis Hopper.

Highsmith, geboren am 19. Jänner vor 100 Jahren, gestorben 1995, war zum Zeitpunkt dieser Begegnung in Europa eine Bestseller-Autorin, vom Diogenes-Verlag in die berühmte schwarz-gelbe Krimireihe aufgenommen und wie eine kostbare Pflanze umhegt. Von beinahe allen Romanen waren die Filmrechte in die USA verkauft, obwohl viele Filmstudios dann auf die Realisation verzichteten. Wenders jedoch bekam von Highsmith ein frisches Manuskript in die Hand gedrückt, das noch nicht einmal ihre Agentin kannte. Bereits ihr erster Roman, „Zwei Fremde im Zug“, war verfilmt worden, von Alfred Hitchcock, da war sie gerade 31 Jahre alt und hatte davor sieben Jahre lang Dialoge und Storylines für die Comicbranche geschrieben, u.a. für einen Vorgängerverlag von Marvel.

Die Spuren dieser Tätigkeit hatte sie zeitlebens verwischt. Joan Schenkar, Autorin der Biografie „Die talentierte Miss Highsmith“, gelang es jedoch, Highsmiths Laufbahn in der Comicwelt nachzuzeichnen: Tatsächlich war sie offenbar „die meistbeschäftigte Scriptwriterin im Goldenen Zeitalter der amerikanischen Comics“. Im Manhattaner Künstlermilieu dieser Jahre trank sie mit Faulkner, Capote, Marlene Dietrich, Jane Bowles oder Djuna Barnes Whiskey und Martini.