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Die Bespitzelung des Nazi-Jägers

Wie Bruno Kreisky mit Simon Wiesenthal umging, war eine Schande. Eine historische Aufarbeitung würde der SPÖ gut anstehen.

 Er arbeitete offenbar für den Mossad. Er hatte seine Fehler, er war eitel und ein Selbstdarsteller. Aber was Simon Wiesenthal durch Bruno Kreisky widerfuhr, gehört zu den schäbigsten Kapiteln der Nachkriegsgeschichte.
Tom Segev liefert in seinem neuen Buch über den Nazi-Jäger, der Adolf Eichmann und andere Massenmörder gejagt und aufgestöbert hat, neues Material. Laut den Recherchen des versierten Historikers wurde Wiesenthal ständig bespitzelt. Bereitwillig wurden Innen- und Justizressort eingesetzt, Details zu finden, um den Mann zu diskreditieren. Wiesenthal hatte sich mit entsprechendem historischen Material gegen Kreisky und dessen Plan gestellt, die FPÖ unter Ex-SS-Mann Friedrich Peter in eine Koalition zu holen. Heute würden das auch Ariel Muzicant, die halbe SPÖ und die Grünen versuchen. Höhepunkt war die von Heinz Fischer ersonnene Androhung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, ob und wie Wiesenthal „Privatjustiz" ausübe. Der hatte es gewagt, Kreisky zu klagen, nachdem dieser ihm Mafiamethoden unterstellt hatte.
Fischer sagte im Präsidentschaftswahlkampf, dass ihm das „leidtue". Und sinngemäß, dass das alles ziemlich lange her sei. So einfach geht das nicht. Eine klare Aussage der Partei und eine Aufarbeitung in Österreich wären notwendig. Sonst sollten sich SP-Politiker vom Kanzler abwärts zumindest die Besuche am Wiesenthal-Grab sparen.


rainer.nowak@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2010)