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Kulturkampf um den Kinderserienhelden mit langem Penis

"Pack ihn weg", mahnt Johns gestrenge Frau Mama.
"Pack ihn weg", mahnt Johns gestrenge Frau Mama.(c) via REUTERS (DRTV)
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Die animierte dänische Kinderserie „John Dillermand“ handelt von einem Mann mit in jedem Sinn mächtigem Geschlechtsorgan. Klingt abgründig, ist es aber nicht.

Wer kleine Kinder hat, kennt das: Ab einem gewissen Grad des Spracherwerbs steigt der Reiz der Pipi-Kaka-Referenzen ebenso wie die Zahl der Aufrufe der mehr oder weniger peinlich berührten Eltern, „so etwas“ doch bitte nicht vor allen Leuten zu sagen. Doch es hilft nichts: Was vorne und hinten am Ende des menschlichen Stoffwechsels den Leib verlässt, übt auf die lieben Kleinen eine unwiderstehliche Faszination aus.
Diese erstreckt sich auch auf die diesen Zwecken dienenden Körperöffnungen und Organe, und weil es in diesen Breitengraden der menschlichen Physis nicht nur ums Ausscheiden, sondern auch ums Fortpflanzen geht, daran aber wiederum allerlei komplizierte Fragen geknüpft sind, vertagen die meisten Eltern das pädagogische Gespräch über die Geschlechtsorgane so weit wie möglich.

Über Glieder und Scheiden spricht man nicht, und wenn, dann nur aufs hygienisch Notwendige beschränkt. Man denke nur an die Szene aus „The Kindergarten Cop“, in der Arnold Schwarzenegger als verdeckter Ermittler in der Rolle eines Kindergärtners von einem Schützling zu hören bekommt: „Buben haben einen Penis, Mädchen eine Vagina.“ „Danke für den Tipp“, antwortet Schwarzenegger.

Drei Jahrzehnte nach diesem denkwürdigen Dialog betritt in einer Trickserie des dänischen Rundfunks für Kinder ab vier Jahren mit John Dillermand eine Figur die Bildschirme, die ganz besondere Probleme mit ihrem Penis hat. Der Mann im Badeanzug und mit dem Antlitz vom Wilhelm Zwo, der unter der Fuchtel seiner matronenhaften Mutter steht, verfügt über ein Glied, das sich auf übernatürliche Weise zu einem Greifarm von akrobatischer Geschmeidigkeit und herkulischer Kraft ausdehnen kann. Er kann damit Autos bremsen, entlaufene Löwen bändigen, Graffitis malen, sich wie Tarzan an einer Liane von Straßenlampe zu Straßenlampe schwingen oder, einem Hubschrauber gleich, durch die Lüfte fliegen. Dummerweise entwickelt dieser Penis, der die Gestalt eines gestreiften Gartenschlauchs hat, in jeder der 14 fünfminütigen Folgen ein Eigenleben und bringt seinen Träger in missliche Lagen.

Erwartungsgemäß hagelt es Kritik an dieser Serie, und zwar aus zwei konträren Lagern: Rechtskonservative Kritiker beklagen, es sei unmoralisch, kleinen Kindern eine TV-Serie über einen Penis vorzusetzen. Aus der feministischen Ecke wiederum raunt es, man könne doch in Zeiten von #MeToo nicht einen gleichsam schwanzgesteuerten Mann feiern.

Ob sich da die eigenen Fantasien der Kritiker offenbaren? Diese wie jene dürften „John Dillermand“ (richtig geraten: „Diller“ heißt „Zumpf“) nicht gesehen haben. Nie geht es hier schlüpfrig oder sexuell doppelbödig zu – nicht einmal in Folge zwölf, in der die schöne Nachbarin Johns Herz entflammt. Den dänischen Kindern, liest man, gefällt die Serie mit ihrem Schabernack. Und wenn sie dabei die Moral verinnerlichen, dass man für seine Fehler einstehen und sie ausbessern muss, dann umso besser.