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Bürgerkrieg

Menschenrechtskommission: 80 tote Zivilisten bei Angriff in Äthiopien

Durch den Krieg in der Region von Tigray wurden rund eine Million Menschen im Land zur Flucht gezwungen.
Durch den Krieg in der Region von Tigray wurden rund eine Million Menschen im Land zur Flucht gezwungen.APA/AFP/ASHRAF SHAZLY
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80 Zivilisten sind an der Grenze zum Sudan ums Leben gekommen. Unbestätigten Angaben zufolge sollen bereits Mitte Dezember 750 in die Mariam Zion-Kirche in Aksum 750 geflüchtete Menschen erschossen worden sein.

Bei einem Angriff an der äthiopisch-sudanesischen Grenze sind nach Angaben einer amtlichen Menschenrechtsorganisation am Dienstag mehr als 80 Zivilisten getötet worden. Der Vorfall habe sich in der Region Benishangul-Gumuz an der Grenze zum Sudan ereignet, teilte die von der Regierung eingesetzte Äthiopische Menschenrechtskommission am Mittwoch mit. Zu den Verantwortlichen für die Tat wurde nichts gesagt.

In dem Gebiet waren vergangenen Monat bei einem Angriff mehr als 220 Menschen getötet worden. In der Region Tigray im Norden Äthiopiens liefert sich die dort regierende Volksbefreiungsfront TPLF seit Wochen Kämpfe mit Regierungstruppen. Benishangul-Gumuz liegt im Westen des Landes.

Berichte über Massaker an Flüchtlingen

Über ein weit größeres Massaker berichtete das unabhängige Portal "The Asian Herald" laut Kathpress am Mittwoch.  Eines der wichtigsten orthodoxen Heiligtümer Äthiopiens soll im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Einheiten der Tigray-Befreiungsarmee Schauplatz eines Massakers geworden sein. 750 Menschen, die in der Mariam Zion-Kirche in Aksum Zuflucht genommen hätten, sollen dort am 15. Dezember von Soldaten der Bundestruppen und Amhara-Milizen ins Freie getrieben und erschossen worden sein.

Bisher gibt es keine offizielle Bestätigung für das berichtete Ereignis; in der Tigray-Region sind keine unabhängigen Journalisten zugelassen. Der in Menschenrechtsfragen engagierte Lord David Alton machte die Schilderungen am Montag zum Thema einer parlamentarischen Anfrage an die britische Regierung hinsichtlich einer Einschätzung und berichtete darüber auf seiner Homepage.

Überlebende berichteten von Massaker

Laut den Angaben hätten äthiopische Truppen die Kirche angegriffen, da man sie für ein Versteck der tigrayanischen Truppen hielt. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich laut den Quellen an die 1000 Flüchtlinge in dem Gotteshaus aus dem 4. Jahrhundert befunden, deren Kapelle laut äthiopischer Tradition Aufbewahrungsort der biblischen Bundeslade mit den Zehn Geboten ist. Die Menschen seien von den Soldaten aufgefordert worden, herauszukommen und sich in einer Reihe aufzustellen, worauf man das Feuer auf sie eröffnet habe. Nachrichten über das Massaker seien unterbunden worden, doch hätten Überlebende zu Fuß die rund 200 Kilometer entfernten Regionalhauptstadt Mekelle erreicht und von ihren Erlebnissen berichtet, hieß es.

Der Krieg im Tigray hat neben einer großen Anzahl von Toten auch die Vertreibung von mindestens 950.000 Binnenflüchtlingen verursacht. Weitere 60.000 Äthiopier sind in den benachbarten Sudan geflohen. Satellitenbilder deuteten zuletzt auf Angriffe und große Feuer in den Flüchtlingslagern.

Auf die entsetzliche Situation der Flüchtlinge war der äthiopisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, in seiner Botschaft zum in Äthiopien am 6./7. Jänner gefeierten Weihnachtsfest eingegangen, wie der Pro Oriente-Informationsdienst berichtet. Die Regierung müsse "das Recht der Menschen auf Leben, die Achtung der Verfassung und die Gewährleistung des Friedens" garantieren, forderte er.

(APA)