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Musikmarkt

Millionen für Melodien: Der Run auf die Songrechte

Streaming hat sich vom Totengräber zum rettenden Engel der Musikbranche gewandelt und die Popmusik zeitloser gemacht. Nun reißen sich Investoren plötzlich um Rechte für alte Songs – und lösen eine Art Goldrausch aus.

Was ist schon Geld? Erfolg hat, wer morgens aufsteht, abends zu Bett geht und dazwischen das tut, was er will“: So sprach einst Bob Dylan, im Jahr 1967, als populäre Musik noch rebellisch war. Selige Zeiten. Nun ließe sich einwenden, dass es mit einem leeren Konto schwerer fällt, tagsüber seinem Willen zu folgen. Aber es müssten dafür nicht gleich 300 bis 400 Millionen Dollar darauf liegen. Um einen solchen Betrag hat der zum Nobelpreisträger geadelte Barde im Dezember die Rechte für seine Songs verkauft. Er ist damit in guter Gesellschaft: Vorige Woche machte Neil Young mit der Hälfte seines Œuvres Kasse, am Dienstag folgte Shakira mit einem Teil ihres Songkatalogs, am Donnerstag Fleetwood Mac-Gründer Mick Fleetwood mit seinem ganzen.

Neben den großen Labels schnappen sich immer öfter spezialisierte Fonds den bisher unbeachteten Schatz. Sie zahlen für die Rechte bis zu vier Mal mehr als früher die Plattenfirmen. Und sie versprechen den Investoren, die ihre Kriegskassen mit Milliarden füllen, dass sich der Wert ihrer Anlage in einem Jahrzehnt verdreifachen wird – was eine Art Goldrausch ausgelöst hat.

„Der letzte verzweifelte Furz"

Am Musikmarkt? Hat man ihm nicht das schleichende Ende prophezeit, weil immer weniger Menschen für das gezielte Hören von Songs zahlen wollten und sich lieber auf Youtube oder der Gratisversion von Spotify tummelten? „Streaming ist der letzte verzweifelte Furz eines sterbenden Körpers“, sinnierte Radiohead-Sänger Thom Yorke am Tiefpunkt vor sieben Jahren. Schon ab 2000 hatten illegale Tauschbörsen wie Napster den besten Zeiten ein Ende bereitet. Die CD-Umsätze brachen ein, das Downloaden mit iTunes fing den Entfall nur teilweise auf. Das Streamen im Netz schien der Branche den Todesstoß zu versetzen.