Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Fashion Week

Corona zwingt die Berliner Modewoche ins Netz

(c) imago images/Pacific Press Agenc (via www.imago-images.de)
  • Drucken

Das Tamtam mit eingeflogenen Prominenten fällt wegen der Pandemie aus, zuschauen kann dafür jeder von daheim.

Die Berliner Modewoche zieht ins Internet, die Schauen werden online übertragen. Eröffnet wird der Laufsteg am Montag (18.00 Uhr) vom Belgier Tom Van Der Borght. Sonst sitzen Hunderte Zuschauer auf den Bänken. Diesmal gilt: kein Publikum, dafür Corona-Tests für Mitarbeiter. Auch einige bekannte Namen fehlen, allen voran Lena Hoschek und Marina Hoermanseder. Das Tamtam mit eingeflogenen Prominenten fällt wegen der Pandemie aus, zuschauen kann dafür jeder von daheim.

Der große Laufsteg steht wieder im alten Kraftwerk in Berlin-Mitte. Die Videos werden dann online gezeigt. "Davon erhoffen wir uns einen Zuwachs an digitalen Zuschauern aus der Branche, aber auch aus der modeinteressierten Öffentlichkeit", sagte Marcus Kurz vom Veranstalter Nowadays. Für Designer Van Der Borght ist das Ganze nach eigenen Angaben ein interessantes Format. Er plant eine Mischung aus Kunstperformance und Modenschau.

Von Montag bis Mittwoch sind die Schauen bei der Mercedes-Benz Fashion Week im Kraftwerk angesetzt, etwa von Marc Cain, der Tirolerin Rebekka Ruetz (Livestream der neuen Ganzjahreskollektion am 20. Jänner, 13.00 Uhr) und Kilian Kerner. Auch beim Berliner Salon zeigen sich Labels online, Designerin Anja Gockel will aus dem Hotel Adlon senden.

Hoschek und Hoermanseder nicht dabei

Wer ihre Shows kenne, wisse, was sie für eine Vorstellung von einem solchen Event habe. Aber 800 Showgäste und eine After-Show-Party mit 1500 Gästen seien derzeit "aus gutem Grund" nicht möglich, ließ die aus Wien stammende Hoermanseder mitteilen. Aus ihrer Sicht ist in der Pandemie das Online-Business für die Modebranche noch wichtiger geworden. Darauf will auch sie ihren Fokus legen. Sie stellt zum Beispiel fest: Die Menschen bestellen zwar häufiger, aber die Warenkörbe werden kleiner.

Auch die Steirerin Lena Hoschek, sonst umjubelte Fixstarterin in Berlin, teilte mit, dass für die neue Kollektion andere Wege der Präsentation geplant sind. Sie sieht in der Pandemie eine große Chance für ein Umdenken beim Konsumenten. "Shop Local war die erste Initiative, die mich sehr begeistert hat - als der Konsument von sich aus heimische Betriebe unterstützt und vermehrt heimische Produkte konsumiert hat." Einen ersten Ausblick auf neue Entwürfe will sie nun im Februar geben. Berlin fehle ihr: "Die Berlin Fashion Week habe ich immer sehr geliebt - die Stadt, den Trubel rund um die Fashion Week - das werde ich sehr vermissen."

Frankfurt will sich auch als Modestandort behaupten

Dass sich mit Frankfurt am Main nun eine weitere Stadt als Modestandort etablieren könnte, macht es für Berlin nicht leichter. Die Messe Premium hatte im Sommer bekannt gegeben, nach Frankfurt zu ziehen.

In Berlin geht man deshalb in die Offensive. Mit einem neuen Nachhaltigkeitskonzept sowie neuen Crossover-Formaten soll das „Profil als weltweiter Schauplatz für Kreative aus Mode, Musik, Kunst und Subkultur“ geschärft werden. Die neuen Formate sollen Berlin außerdem als „European Capital of Creative Industries“ positionieren, heißt es dazu in einer Aussendung.

Dass nun auch Frankfurt am Modemarkt mitspielen will, finden auch Designer mitunter problematisch. Die vielen Termine - München, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin - erschwerten es Einkäufern sehr, findet Hoschek. "Wenn ich aus dem Ausland kommen würde, wüsste ich nicht, wo ich hinfahren soll. Ich glaube daher, dass alles eher regional wird." Hoermanseder will die Entwicklung der Mode-Events in Deutschland beobachten. "Dadurch, dass unser Blick strategisch immer zunehmender auch auf Amerika gerichtet ist, wollen wir uns momentan gar nicht für Frankfurt oder Berlin entscheiden müssen."

(APA/dpa)