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Mein Freitag

Kryptische Nachrichten und eilige Gedanken

Nachlässigkeit ist eine Sache der Bequemlichkeit, in allen Bereichen.

Die Nachlässigkeit begann schleichend. Bei Textnachrichten wurde anfangs sorgsam groß und klein geschrieben, es gab ganze Sätze und sogar Satzzeichen. Irgendwann brach dann Buchstabenanarchie aus. Mittlerweile erreichen einen ganz selbstverständlich verstümmelte Wortgebilde, bei denen man nicht sicher ist, ob der Absender betrunken war oder es eiliger hatte als seine Gedanken. Dazwischen setzt die Autokorrektur völlig Unpassendes ein, etwa „Rückenmassage“, was den Nachrichten etwas Dadaistisches verleiht. Man versteht trotzdem, worum es geht. Meistens.

Nachlässigkeit ist eine Sache der Bequemlichkeit, in allen Bereichen. Als man eines Morgens wie immer zum selben Pulli greift, wird einem erst bewusst, wie viel Zeit vor Lockdown und Co. für die Frage „Was ziehe ich an?“ draufgegangen ist. Da man nur sehr wenige Menschen sieht, und wenn, dann draußen, ist alles, was unter dem Mantel ist, irgendwie egal. Und daheim sehen ohnehin nur alle auf ihre Displays. Müssten Sie für Aktenzeichen XY beschreiben, was ein Familienmitglied anhatte, bevor es heute Früh spurlos verschwand, könnten Sie es tun? Na eben.

Spurlos verschwindet so auch die Würde und wenn man irgendwann später gefragt würde, wie denn diese Zeit so war, müsste man auch antworten „langhaarig“, denn viele Menschen haben die Haare länger als sonst, unfreiwillig, und daher erreicht der flehentliche Appell der Friseurin an ihre Kundin, doch bitte einstweilen nicht selbst Hand an die Haare anzulegen, nicht alle.

Ein Schritt aus der Lethargie wäre vielleicht sich aufzubrezeln, wie man früher gesagt hat, das tut der Seele gut. Den Kalender umzublättern, die Zeit am Herd umzustellen. Apropos, zu voriger Woche, als es um zusammengeschnurrte Floskeln ging (Schnomt, Sgott), kam ein Nachtrag eines Lesers, den ich Ihnen nicht vorenthalten will, wie man sich früher, handylos, uhrenlos, nach der Zeit erkundigte: Flur isses? Noch nicht zu spät.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com